Donnerstag, 6. Juni 2019

2019 Mit der LIBERTÉ von Berlin nach Poznan

oder manchmal kommt es anders, als man denkt



Entdeckt!

Tag 1 Berlin Spandau nach Eberswalde

Per Bahn geht es für uns zum Bahnhof Berlin-Spandau, natürlich essen wir eine Berliner Currywurst. Unsere LIBERTÉ Crew erwartet uns an ihrem Liegeplatz in der Nähe des Bahnhofs der etwa 400 – 500 m entfernt ist. 

Um 12.00 h wollen wir die Leinen los machen. Kapitän Thomas ist noch einkaufen, Vater Johann, sowie der Koch Fritz und Stewardess Sabrina begrüßen uns. Wir sind heute zu elft, bis auf 2 Personen alles Wiederholer. Ein Gast ist großer Vogelfan und notiert jegliche Tiersichtung, ich lasse mich infizieren. 

In der ersten Schleuse gibt es unser Mittagessen, Bohnensuppe, dann Rinderbraten mit Pilzsauce und Kartoffelknödel, anschliessend Panna Cotta. 
Wir bleiben dann ein kleines Stück auf der Unteren Havel, bei der Spandauer Zitadelle passieren wir die Mündung der Spree. Nach der Schleuse beginnt der Großschifffahrtsweg Berlin - Stettin, heute nur noch Havel-Oder Wasserstraße genannt. Zunächst bildet die Havel eine Art Seenkette, später rücken die Ufer wieder dichter zusammen und wir befahren eine Mischung aus natürlicher und künstlicher Wasserstraße.



Wir passieren Oranienburg, sowie das Klinkerwerk Oranienburg fahren unter der Brücke der ehemaligen Betriebseisenbahn hindurch. Die Figuren vor dem Werk symbolisieren die Häftlinge bzw. die Arbeitssklaven aus dem KZ Sachsenhausen, die diese Großziegelei errichtet haben. 



Von Juli bis September 1942 fielen hier unter dem Namen "Aktion Klinker" fast alle damaligen Rosa-Winkel-Häftlinge einer gezielten Mordaktion der SS zum Opfer. Der ehemalige Lagerälteste Harry Naujoks berichtet in seinen Erinnerungen von der Ermordung von 200 Homosexuellen und "Amtsanmaßern". 1996 wurde das gesamte Gelände unter Denkmalschutz gestellt, ein Jahr später wurde beschlossen, daß ein Geschichtspark an die frühere Nutzung des Areals erinnern soll (Quelle Wikipedia).

Wir kreuzen die Marienwerda und das erste Sicherheitstor, wir können noch die Reste des alten Tores sehen. 

19.40 h alle sitzen im Salon, es ist recht still. Wir bekommen außer der Reihe kalte Platten zum Abendessen, da wir den Liegeplatz so spät erreicht haben und sitzen danach noch recht lange unten im alten Salon. Wir legen morgen früher ab statt 8.00 um 06.30 h. 

Ich bin angesteckt - meine heutigen Sichtungen: Kraniche, Reiher, Kormorane, Enten, Gänse, Blässhuhn, Lachmöwe, Höckerschwäne, Nebelkrähen, Graugänse, Fasan, Biberbau ohne Biber, Biberrutschen und angenagte Bäume, und endlich doch Biber, Eisvögel, Endlich ein Reh auf einem Hügel und ein Seeadler. 

Havel-Wasserstraße   1km,  Havel-Oder-Wasserstraße     67 km      2 Schleusen

2.Tag  02.04.2019 Dienstag - Bei Eberswalde – Groß Neuendorf/Oder

Ablegen um 06.30 Uhr, schon vorher werden wir von dem Schwell eines polnischen Frachters geweckt. Ich habe dadurch noch easy Zeit zum Duschen. Den ersten Höhepunkt unserer Reise erleben wir im Schiffshebewerk Eberswalde-Niederfinow. Um 7.30 h machen wir im Hebewerk fest. Das neue ist immer noch nicht in Betrieb, Johann fragt sich schon, ob er das noch erleben wird. Für die Passage muss das obere Sonnendeck für ca. 3 Stunden abgebaut werden.

Im diffusem Licht 


Das am 21. März 1934 in Betrieb genommene Schiffshebewerk ist das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk Deutschlands und hat auch den 2. Weltkrieg unbeschadet überstanden. Die alte Technik ist imposant, seit den dreißiger Jahren versieht sie störungsfrei ihren Dienst. Die Ausmaße betragen 85 m Länge und 12 m Breite. Die Betriebszeiten sind von 0.00 - 24.00 h, bei geringem Schiffsverkehr findet von 22.00 - 06.00 h keine Hebebetrieb statt, wir werden um 36 Meter abgesenkt.

Im Dezember 2007 erhielt es die von der Bundesingenieurkammer erstmals verliehene Auszeichnung Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland. Das neue Hebewerk soll das historische bis spätestens 2025 ersetzen. Der Neubau ist fertig, die Baustelle ist beeindruckend, aber es ist noch viel zu tun.


Eine beeindruckende Konstruktion 

Dann folgen wir dem uralten Verlauf eines Oderarmes, halten in Oderberg, nehmen Wasser auf am Bollwerk Oderberg und spazieren durch den kleinen verträumten Ort, der schön mit Osterdeko geschmückt ist. Steffen besucht noch das Museum, das ab 10.00 h geöffnet hat. Das Museums-Schiff zu besichtigen, schafft er leider nicht, da wir um 11.00 h weiterfahren. 
Wir passieren Hohensaaten, zum Mittagessen gibt es heute Ruccola mit Ziegenkäse und Scampi mit Balsamico, Entenkeule mit Rotkraut und Kartoffelgratin, danach für die anderen selbstgemachte Schokolade mit Kirschen und Vanillesauce. Sieht lecker aus!
Dann passieren wir die Zollbrücke, hier befindet sich das Theater am Rand

Dobry Dzień! 

Ab der Schleuse verläuft die Staatsgrenze zwischen Polen und Deutschland in Flussmitte, hier sind schon beide Mobilnetze verfügbar. Bis nach Groß Neuendorf durchfahren wir ein Rastgebiet von Zugvögeln, in dem auch See-und Fischadler zu Hause sind. Unseren nächtlichen Liegeplatz erreichen wir ca. 16.40 Uhr. Johann macht einen Termin bei einem Freund namens Manfred Dannegger (Website Die Brauntöpferei), einem ehemaligen Kapitän, der aus einer Fischerfamilie stammt und jetzt Keramik nach alten Formen herstellt. 

Noch vor 100 Jahren gab es das Braungeschirr in den Haushalten der Fischer, Bauern und Bürger, auch im Oderbruch und Umgebung. Die Steintöpfe - damals Pfennigwaren - waren trotzdem formschön und hatten hervorragende Gebrauchseigenschaften (Quelle Website Die Brauntöpferei).

 
Doch als erstes sehen wir den historischen Verladeturm im Denkmalensemble "Kultur Hafen Groß Neuendorf" und besuchen später das Restaurant Maschinenbaus. Auf dem Weg zur Töpferei machen wir einen kurzen Spaziergang durch den Ort. Herr Dannegger zeigt uns seine Werkstatt und seinen kleinen Laden und demonstriert uns sein Können, natürlich können wir nachher Ware kaufen. Wir entscheiden uns für Müslischüsseln. 

Thomas hat für den heutigen Abend im Restaurant einen Tisch gebucht, das zwei 2 Schwestern betreiben, sie haben extra für uns geöffnet. Es gibt ein kalt-warmes Büfett, danach klingt der Abend wieder entspannt aus. 

Sichtungen des Tages: Enten, Höckerschwäne, Bachstelze, Lachmöwen, Mäusebussard, Graugans, Zebraspringspinne, Gänsesäger, Admiral, Stockenten, Mauersegler, Kormorane, Nebelkrähe, Silbermöwe, Reiherente, Seeadler, dunkle Erdhummel, zahlreiche Kormorane, die vom Wasser aufsteigen, Baldachin-Spinne aus der Kirschblütendeko, Trauerseeschwalbe, Weißstorch, Feuerwanzen, Biene. 

Havel-Oder-Wasserstraße     25 km    1 Hebewerk     1 Schleuse     In Oder bei ca. 92 Oder (Odra)   32 km



3.Tag  03.04.2019 Mittwoch - Groß Neuendorf - Landsberg

Um 07.30 Uhr startet unsere Maschine, es ist der beste Wecker überhaupt. Wir geniessen die Morgenstimmung beim Ablegen und das Frühstück. Die Oder ist ein besonders ruhiger Fluss, hier sind Hast und Hektik ein Fremdwort. Uns kommt die Frederic Chopin von Niko Tours mit 80 Passagieren entgegen, sie gehörte ehemals der Dahlmann Reederei. 




Um 10.00 h erreichen wir bei Küstrin (Kostrzyn) die Mündung der Warthe in die Oder. Viel ist nach dem Krieg von der alten Festungsstadt nicht übriggeblieben. Nach ein wenig Industrie an den Ufern tauchen wir wieder in die Einsamkeit ein - des Nationalparks Warthamündung.





Am frühen Abend legen wir in Landsberg-Großpolen (Gorzów Wielkopolski) an. Die neu gebaute Uferpromenade, noch im Bau, braucht keinen Vergleich mit denen deutscher Großstädten zu scheuen. Wir laufen in Richtung Stadtzentrum, dort ist ebenfalls noch Großbaustelle. Es gibt fast alles an Restaurants: Kebaphaus, Inder, Sushi, Burgerbuden etc. Wir entdecken das "Restauracja Aneri Cafe meeting & lunch (Link zur Facebookseite)", ich entdecke Carpaccio auf der Karte draußen, das klingt vielversprechend. Die Einrichtung ist gemütlich und spricht uns sehr an. 

Okay, wir bekommen polnische Menükarten und können aber nur raten, was darauf steht. Der nette Kellner übersetzt uns daraufhin die Menüs in englisch. Wir sind angetan, alle Gerichte sind liebevoll mit Blüten und Sprossen angerichtet, werden mit Salat serviert und sind wirklich schmackhaft. Ein schöner Abschluss für den heutigen Tag. 

Sichtungen: leider verpaßt schöner sitzender Adler, Steffen Foto, Lachmöwe, Kormorane, Stockenten, Graugänse, Mäusebussard, Höckerschwan, Nebelkrähe, Reiherente, im V ziehende Graugänse, Schilfrohrsänger, Graureiher, Flußuferläufer, Wildschwein, Gänsesäger, Blässhühnchen, Spatz, Seeadler, Kraniche, Feldsperlinge, junge Silbermöwe, Seeadler sitzend und fliegend (Fotos), Bachstelze, Kiebitz, Reh, Silbermöwe, Storch, Schellente, Silberreiher, Dohlen, Hornisse

Oder (Odra)   18 km  ,   Warthe (Warta)   56 km


Mehr Foto auf Instagram @paulabloggt

4.Tag  04.04.2019 Donnerstag - Landsberg - Schwerin

Ich mache noch Fotos für den Tag des Löwenzahns (05.04. gefeiert in den USA, National Dandelion Day). Wir werfen einen Blick zurück auf die große Stadt mit vielen Wohnsilos aus den siebziger Jahren. Die nächste richtige Stadt ist Posen. 





Große Pferdeherden und eine große Hühnerzucht freilaufender Hühner liegen auf Steuerbord. Seit gestern sehen wir auch etliche bewohnte Storchennester links und rechts an den Ufern. Am Anfang scheint die "Vögelei" wie abgerissen, dann geht es wieder Schlag auf Schlag. 

Ruhig gleitet der Bug der LIBERTÉ durch das gemächlich strömende Wasser des Flusses. Nach ca. 2 Stunden erreichen wir bei Zantoch (Santok) die Mündung der Netze (Notec). Der Anleger scheint neu zu sein und für uns nicht nutzbar. So wird es nichts mit dem kleinen Spaziergang. Auf einem Hügel befindet sich ein Aussichtsturm, von dem man einen großen Teil des Netzebruches überblicken kann.

Um die Mittagszeit haben wir dann doch Sichtungen ohne Ende. Heute gibt es Couscous, wir bekommen Ruccola, dann Lammkeule, ich Huhn mit Karotten und Stampfkartoffeln. Das Dessert ist ein Traum aus Kokos und Nougat Eis.



Am Nachmittag legen wir dann in Schwerin (Skwierzyna) an. Das Stadtzentrum ist über die Brücke schnell erreicht, und direkt am Anleger befindet sich ein sehr schönes Hotel namens Dom nad Rzeka (Website) - das Haus am Fluss übersetzt. Hier hat Johann einen Tisch reserviert. Es gibt Russische Piroggen, ich probiere beim Gottfried, sie schmecken echt lecker. Wir nehmen Zander mit Reis und Sauce.

Sichtungen des Tages: Streckerspinne, Dohle, Elster, Stockenten, Ringeltaube, Weißstorch, Mäusebussard, Lachmöwe, Nebelkrähe, Fasan, Graureiher, Silberreiher, Kranich, Reh, Grünfinken, Höckerschwan, Bachstelze, Kleiber, Honigbiene, bräunliche Stinkwanze seebestattet, Schwarzmilan, Koniks (aus dem Polnischen: Pferdchen, kleines Pferd - ist eine Ponyrasse aus dem mittel- und osteuropäischen Raum - Quelle Wikipedia), Kormorane, Seeadler, Fischadler, Uferschwalbe, Kiebitze

Warthe 32 km

5.Tag  05.04.2019 Freitag - Schwerin - (Zirke geplant) - Schwerin (Skwierzyna)

Heute legen wir früher als geplant ab, um 8.00 h statt um 9.00 Uhr. In 52 Kilometern schlängelt sich die Warthe durch die Natur - ein Tag zum Entspannen, eine einmalige Flusslandschaft erwartet uns. Ab und zu liegt eine kleine Ortschaft am Ufer oder hinter dem Deich. Hier werden wir wohl keinen anderen Schiffen begegnen. Steffen sieht einen Biber und kann dessen Schwanz sehr gut erkennen. 

Km 115 Kiesel Peeling, wir hängen fest, 1,70 m aber wahrscheinlich eine verschobene Sandbank. Insgesamt setzen wir drei Mal auf, um 14.10 h versuchen wir unterhalb von dem Ort Międzychód (Birnbaum) zu drehen. Alles klappt, super Manöver. Międzychód ist die Kreisstadt des Landkreises Powiat Międzychódzki in der polnischen Woiwodschaft Großpolen. 

Unser Ziel Zirke (Sirakow) wird wegen Niedrigwasser gestrichen, in Poznan ist der Wasserstand alle 8 Stunden um 1 cm gesunken, beim km 124,5 fahren ein Wendemanöver. Unser nächstes Ziel ist wieder Schwerin, der Liegeplatz vom gestrigen Abend. Wir erleben Expedition pur!!

Johann reserviert wieder einen Tisch im Restaurant, ich werde heute Piroggen essen. Um 15.20 h erreichen wir wieder km 115, Captain bittet um Ruhe und läßt die LIBERTÉ sehr sanft über die Untiefe gleiten. Beim Schloss ist noch einmal eine Untiefe, aber nicht so markant und flach wie am km 115. 

Es ziehen Wolken auf und es ist fast windstill, in der Sonne ist es so fast sommerlich warm. Um 16.20 h fallen starke drei Regentropfen vom Himmel, so daß wir später einen schönen Regenbogen haben. Gegen 18.00 h legen wir wieder am Hotel in Schwerin km 92 an, der Tisch ist reserviert. Aber vorher gibt es eine Lagebesprechung wegen der nötigen Umroutung. 

Ich esse Piroggen, aber leider sind sie nicht so schön wie am Tag davor. Heute ist das Hotel stark besucht, junge Amerikaner, wir vermuten, daß eine Base in der Nähe ist. Ich gehe heute früh ins Bett und schlafe wie ein Murmeltier.

Was haben wir gesehen? Bachstelze, Stockente, Höckerschwäne, von Bibern angenagte Bäume säumen die Landschaft und Biberrutschen zeugen von der Anwesenheit der fleissigen Baumeister. Stubenfliege, Mäusebussard, Kormorane, Graureiher, Seggenrohrsänger, Stare auf einer Stromleitung und größere Schwärme, Elster, Nebelkrähen, Kranich, Zitronenfalter, Grünfinken, Steinhummel, Eisvogel, Kreuzspinne, Gartenhummel im Schiff am Anleger. 
Nicht zählbare Tiere: Kuhherden, Pferde, diverse Hunde

Warthe 35,5 km                         hin und wieder zurück 


6.Tag   06.04.2019  Samstag Schwerin (Skwierzyna) - Drawsko 

Heute sind wir um 08.15 h in Schwerin losgefahren, alles steht auf Abenteuer, wie weit ist die Noteć beschiffbar, unser Plan ist bis Santok zu fahren. Beim Frühstück kommt unsere Stewardess Sabrina herunter und öffnet die Gardine, wunderschöne sehr neugierige Koniks laufen mit uns ein Stück am Ufer entlang. Zwei schwarze Kühe unterbrechen ihre Futteraufnahme nur kurz, um uns zu beäugen. 

In Santok km 68 sehen wir die neuen Wasserstände und drehen wieder, auf zu den neuen Abenteuern und biegen später in die Noteć ein. Hier gibt es wieder Natur pur. 

Wir kommen an der Schleuse Krzyz (Kreuz) an, dank Johanns Überredungskunst schleusen sie uns durch. Wir überlegen uns schon, wie und ab wo bzw. wann wir mit der Bahn fahren.

So erreichen wir den Ort Drawsko, Begrüßungstor Przystań YNDZEL Drawsko am Steg und haben die Möglichkeit 45 min uns die Beine zu vertreten, das nutzen Steffen und ich im strammen Marsch. Im Hafen gibt es eine Tafel, ich fotografiere sie und werde gleich durch einen QR Code auf die Website - Der Großpolen Ring Abenteuer auf dem Wasser geleitet, es ist die Attraktion für Wassertouristen. 




Glutrot geht die Sonne unter und zeitgleich gefühlt alle Braunkohleöfen an. Um 20.00 h gibt es ein polnisches kaltes Abendbrot. Mit einer Salami mit Meerrettich, die scharf im Abgang ist, Käse in Brotform, der warm gegessen wird, sowie Räucherkäse, eine Wurst aus dem Kessel, alles sehr lecker. Dazu gibt es Mädchenbier mit Erdbeergeschmack wie Thomas sagt.

Die Sichtungen des heutigen Tages: Höckerschwan, Graureiher, Konik, eines davon mit Kuhmuster in schwarz-weiß, Silbermöwen, Rehbock mit drei Rehen, 2 Störche kreisen am Horizont, Nebelkrähe, Biber, Graureiher, Stare, Stockenten, junger amerikanischer Marienkäfer, Mäusebussard, Kormorane, auf einer Wiese 1 Storch, Graugänse und ein Kranich, Silberreiher, Schellente, Bachstelzen, Höckerschwäne, 2 fliegende Kraniche (Bilder 2x ), Kohlmeise, großes Mausohr (Fledermaus)

Warthe und Netze (Noteć) 53 km - von der Mündung km 226 bis Wielka km 173 

7.Tag   07.04.2019  Sonntag Wielka Pętla Wielkopolski - Gorzow-Wielkopolsko

Um 9.00 h startet Johann ein Drehmanöver in dem kleinen Hafen des Ortes, der auf km 173 liegt, um wie mit dem Scheusenwärter besprochen, zwischen 9.00 und 10.00 h wieder an der Schleuse Krzyz zu sein. Dort ist die Ampel auf Rot. 

Der Hund Mops ist schon wach, einmal Typhon und der Schleusenwärter erscheint und schaltet die Ampel gleich auf grün. Mops ist eine Art Schäferhund in Wolfsfarben. Wir bunkern hier Wasser. Die Schleuse wird noch mit Handbetrieb betätigt. Neben der Schleuse sieht man die Wehranlage mit dem Kran darauf. 





Wir dürfen die Wehranlage besichtigen, Johann sagt, weil heute Sonntag ist. Mit den Gewichten und dem Kran wird die Wassermenge geregelt. Heute gibt es den 11.00 h Sekt, um den Sonntag zu begrüßen. Um 11.20 h machen wir uns wieder auf den Weg, wir werden heruntergeschleust. Gegen 11.30 h setzen wir wieder auf und schieben ein wenig Schlagseite, daß Koch Fritz die Töpfe festhalten muss. Danach ist alles wieder frei. Heute gibt es Blumenkohl - Erbsen- Cremesuppe mit Croutons, Schweinefilet (für mich Huhn), selbst gemachten Krautsalat und Kartoffelpüree. 




In Santok winken uns die Menschen freundlich zu und genießen die wärmenden Sonnenstrahlen. Links und rechts am Uferrand sehen wir zahlreiche Angler. Wir kommen wieder an der großen Hühnerzucht vorbei, auch der Ackergaul schaut wieder, wie wir vorbeifahren. Die ersten Häuser Gorzow sind zu sehen. Das Restaurant vom letzten Mal machte leider heute um 19.00 h zu, der nette Kellner empfiehlt uns eines in 50 m weiter rechts. Gepackt habe ich fast alles schon vorher, mache den Rest vorm Schlafengehen. Bin um 23.30 im Bett, als Steffen kommt, machen wir den Koffer zu. 




Was sehen wir am letzten Seetag? Es startet mit einer Bachstelze, 4 Rehen, Ringeltaube und ein Spatz an der Schleuse. Natürlich ist auch Puck unsere Stubenfliege wieder mit dabei, eigentlich müßte sie ja Salonfliege heißen. Kohlmeise, Dohle, Stechmücken leider jetzt auch an Bord der LIBERTÉ, eine ist jetzt weniger. Natürlich reichlich vertreten Stockentenpärchen, Graureiher, Nebelkrähen, Elstern, Seggenrohrsänger, 22 Punkte Marienkäfer, Thomas entdeckt einen Eisvogel, Streckerspinne, Rehe, 14 Kraniche am blauen Himmel, Höckerschwäne, Konike, Teichrohrsänger, jede Menge Weißstörche, Roter Milan, Admiral, Steinhummel, Starenschwärme, Silberreiher, Mäusebussard, Kiebitze, Ringelnatter, der junge amerikanische Marienkäfer ist auch noch an Bord, Feldlerchen, Spatz. 

Noteć 53 km und Warthe 13 km 

8.Tag  08.04.2019 Montag - Auf Wiedersehen! Gorzow

Leider ist heute schon wieder Abreisetag. Früh geht der Wecker, wir bekommen ein früheres Frühstück. Alle anderen Gäste sind auch früher hoch. Nach dem Frühstück ist alles verstaut. Schon vor 9.00 h, der abgemachten Zeit ist der Taxifahrer da, uns kommen Zweifel, ob alles in den Wagen geht. Ein Raumwunder, kurz vor dem Bahnhof haben wir fast einen Unfall. Unser Zug fährt fast pünktlich um 09.52 h. 

Die letzten Sichtungen: Krähe schwarz geler Schnabel, Nebelkrähe, Elstern, Spatzen, Stare, Stockenten, Möwen, Ringeltauben, Bachstelzen, Dohlen, Amseln, Silbermöwe, Höckerschwäne, Graugänse, Fasane, Kranich, Mäusebussard auf dem Feld, diverse Rehe links und rechts neben der Bahnstrecke


Do Widzenia! 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag
©️ Constanze Paula Hoffmann


Dienstag, 26. Februar 2019

2018 Mit der LIBERTÉ von Paris - Rouen - Paris

oder la vie en rose




Reise 13/18 · 20.07. - 28.07.18 · 9 Tage · PARIS – ROUEN – PARIS 

  • AUF: Canal Saint-Martin (siehe 12/18) und Seine ÜBER: Bogival, Mantes-la-Jolie, Bonnières / Bennecourt, Vernon, Saint Aubin-lès-Elbeuf und Rouen

Tag 1 Freitag 20.07.2018 - es geht in die Unterwelt 

Paris-Port Arsenal nach Carrière-sur-Seine ist der Plan. Johann, der andere Captain der LIBERTÉ und Vater von Thomas Magner sowie der neue Koch sind in der Nacht gegen 1.00 h angekommen und mit Thomas nicht vor 3.00 h im Bett gewesen. Der Wagen wurde noch ausgeladen, die neue Kaffeemaschine, das neue Rad und vieles mehr haben sie mitgebracht. Es gibt Frühstück für uns 6 weiterfahrenden Gäste, wir machen uns danach mit Heidi auf den Weg zum Notre Dame. Wir schlendern über die Île Saint-Louis, auf der sich schöne kleine Lädchen befinden. Der Bereich heißt 4e Arrondissement - Saint Gervais - Les Îles - Delikatessen, Boutiquen, Souvenirs etc. Es steht fest, wir müssen hier wieder her. Der Platz vor dem Notre Dame ist schwarz vor Menschen, wir machen ein Foto und gehen wieder auf ‚unsere‘ kleine Insel.  


Heute verlassen wir unseren schönen Liegeplatz im Port de l’ArsenalEinschiffung ist heute bis 11.30 h, die letzten Gäste sind schon an Bord, als wir von unserem Trip zum Notre Dame zurückkehren. Wir machen uns alle bekannt, es gibt Begrüßungssekt und danach Mittagessen wie die letzten Male in der Schleuse, nicht beabsichtigt aber so gekommen. 

Wir sind froh, leichtes delikates Essen. Vorweg Pastete, leider Schwein, also nichts für mich, Steffen Gluten-free Variante, lieb angerichtet. Dann gibt Hähnchenspiess, dazu Paprikagemüse und junge Kartoffeln, als Dessert für uns Obstsalat und die anderen Rum-Eis, sehr schön angerichtet. 

Wir fahren heute auf dem Canal Saint-Martin mit 4,5 km Länge und mit 9 Schleusen, davon einige Doppelschleusen. Aber als erstes geht es in die Unterwelt, unter dem Place de la Bastille hindurch fahren wir durch einen Tunnel mit 2069 m Länge. Auf den Hinweisschildern steht in Englisch, Deutsch und Französisch, dass man nur 18 Minuten für die Durchfahrt hat. 




Der Präfekt von Paris Georges-Eugène Haussmann ließ den Kanal zwischen dem Place de la Bastille und der Avenue de la République auf einer Länge von anderthalb Kilometern unterirdisch legen (voûte souterraine), was durch Dekret vom 30. April 1859 geregelt wurde. 



Der Verkehr wird über Lichtsignale geregelt. Dieser Wasserweg wurde bereits 1825 in Dienst gestellt und diente lange nur der Wasserversorgung der Stadt und für den Transport von Waren. Beide Uferseiten sind dicht belagert von den Besuchern aus aller Welt. Da wir ein wenig spät dran sind, nehmen wir einen 
Liegeplatz um 18.00 h am Quai de L‘Oise hinter der Brücke Rue de L‘Ourcq und Brücke Rue de Crimée (Square de la Place de Bitche). Es fängt an zu nieseln. 
Wir gehen in ein Bistro, dass sehr gut besucht ist, aber deswegen auch sehr laut und der Grund, warum wir wieder an Bord verholen. Es wird kühler durch den Regen, wir gehen heute zeitig zu Bett und können gut schlafen. 





Tag 2 Samstag 21.07.2018

Die heutige geplante Route wäre von Carrière-sur-Seine nach Vernon gewesen, aber wir starten erst etwas später. Einige Gäste stehen schon mit einem Kaffee an Oberdeck und genießen die ersten Kilometer. Wir fahren noch die letzten Kilometer auf dem Canal Saint-Denis in Richtung Seine. Hier verkehren schon größere Schiffe bis 60 m Länge. Links und rechts sind wie schon nach dem Liegeplatz schöne bunte coole Graffitis, die letzten Schleusen werden passiert. 




Um 10.10 h liegt auf Backbord das Stadion St. Denis, um 10.55 h der Bahnhof des Ortes. Steffen spielt Bootsmann und baut die Reling mit Koch Fritz unter Anweisung von Stewardess Sabrina auf. Um 11.23 h dann erreichen wir die Seine, Backbord achtern liegt die Abzweigung für die Rücktour ungefähr bei Seine km 29. Wir fahren wieder ein Stück, das wir auf der letzten Reise schon gefahren sind. So liegen Steuerbord wieder die schönen Villen und Häuser der Vororte Paris. Wir passieren kurz vor dem Mittagessen den Liegeplatz der letzten Reise am Parc de la Marie. Heute gibt es Salat mit Ziegenkäse, Huhn bzw. Schwein, Erbsen-, Spinatpüree und Kartoffel provencale, als Nachtisch Bananencreme. 

Um 15.40 h erreichen wir Conflans-Saint-Honorine, wo die Oise mündet. Ab hier haben wir auch keine Wiederholungen mehr zur letzten Reise, habe Fotos von der Mündung gemacht. 



Captain berichtet von dem nächsten geplanten Ablauf, wir fahren bis Poissy. Und morgen früh bis Vernon so gegen 14.00 h, Mittag vorziehen, dann Ausflug zum Haus und Garten von Claude Monet ca. 2 Stunden, Kaffee später, so sind wir wieder im Plan. 

Wir fahren durch die Schleuse D‘Andresy, ein anderes Schiff namens Martinique liegt mit uns darin. Langsam gewinnt die Sonne wieder an Kraft, es wird wieder warm. Am Nachmittag erreichen wir Poissy, Reste einer Brücke ragen in der Nähe des Anlegers aus dem Wasser, zerstört durch die Alliierten 1944. Die gemauerte Brücke überquerte die Seine einst mit einer Länge von 400 m, die sechs Pfeiler dienen jetzt den Möwen als Landeplatz. 



Wir gehen an Land, gleich hinter dem kleinen Park ist ein französisches Restaurant, das aber erst um 19.30 h öffnet. Ich sehe das „Himalaya“, ein indisches Restaurant, schlendern aber noch durch die Stadt, um nach anderen Restaurants zu schauen, entschließen uns dann doch für indische Küche. Indisch geht immer, egal wo auf der Welt und die erste Entscheidung ist meistens die Richtige. Es war richtig lecker, wir konnten uns die Gerichte teilen, so waren wir nicht übersättigt. Es wird an Bord wieder später....

Tag 3 Sonntag 22.07.2018

Von Poissy fahren wir erstmal nach Giverny, hier befinden sich das Haus und der Garten von Claude Monet. Das Aufstehen fällt etwas schwer, aber nach einem Kaffee, Apfel und einem Jogurt geht es wieder. Wir passieren die Collégiale Notre Dame in Mantes-la-Jolie, ein Château versteckt hinter großen Bäumen mit einem großen Bootsanlegerhaus. Häuschen wäre untertrieben, es hat die Größe eines Einfamilienhauses. Danach passieren wir die nächste Schleuse, die écluse de Méricourt, sie hat zwei Kammern. 

Auf Steuerbord davor liegen Frachter voll geflaggt, ich finde nichts im Internet unter France 22.07. Da steht nur Beginn der dritten Etappe, der Bergetappe, der Tour de France, es kann natürlich auch noch vom Sieg der Fußball WM sein. 

Ich freue mich schon auf den Garten des Claude Monet, aber erstmal gibt es das frühe Mittagessen. Heute Melonenschiffe mit Serrano-Schinken, Semmelknödel, Blumenkohl, Brokkoli, Kaninchenkeule mit Sauce aus Möhren, Pastinaken, Kenobi und Zwiebeln, anschließend Palatschinken. Wir gehen längsseits an drei größeren Fluss-Schiffen und steigen über sie an Land. Jürgen und ein Pärchen bleiben an Bord, wir nehmen ein Taxi für Heidi und uns, der Rest geht in ein Großraumtaxi. 




Eine ellenlange Schlange steht an der Kasse, eine junge Dame sagt, dass es einen Gruppeneingang gibt. Die anderen bleiben stehen und ich checke die Lage. Dann schicke ich Steffen die andern zu holen, wir sind ja eine Gruppe, ich zahle mit Karte. Ich rufe: „Gruppe Bateau, kommen sie nach vorne, Gruppe Bateau zu mir!“ Weil eine ganze Gruppe davorsteht. Dann geht es los, wir gehen zuerst in das Monet Haus, bevor wir den Garten sowie Wassergarten mit den Seerosen anschauen. Aus dem Souvenir müssen ein paar Postkarten, ein Buch über den Garten und Monet, sowie Duftsäckchen und ein Lavendel-Spray mit. Das Bild mit der obligatorischen Brücke am Seerosenteich konnte ich wegen der vielen Touristen nicht machen. Aber so ganz ohne Menschen und ohne Brücke ist es doch auch ganz hübsch. 




Von Vernon fahren wir flussabwärts, eine Schleuse passierend, weiter nach Les Andelys. Das Chateau Gaillardia von Heinrich, dem V. erbaut, sieht man schon von weitem, es prangt ein übergroßes gelbes Shirt der Tour de France daran. Nouvelle Normandie - Vernon • Giverny • Les Andelys steht darauf. Um 19.15 machen wir fest. Wir gehen in ein Lokal auf der linken Seite namens la Chaîne d‘Or

Es gibt nur Menüs, aber die Portionen sind angepasst und sehr delikat. Krebs-Tatare, Foie Gras, Boeuf, Ravioli mit Hummer, Languste und Krebssauce, eine gute Käseauswahl, Obsttartare, guten Rotwein und Calvados, ich habe einen Chocolate Blend und erhalte dunkle Schokolade dazu, quasi mein Dessert. 

Tag 4 Montag 23.07.2018

Les Andelys nach Rouen, wir sind wieder im Plan, wir fahren 69 km auf der Seine und haben nur eine Schleuse. Wir passieren viele Nebenarme und Seen. Ab der Schleuse Amfreville bei km 202 merkt man die Gezeiten von See, obwohl es noch über 100 km bis Le Havre sind. Einige Reiher und Kormorane fliegen durch das Schiff aufgeschreckt herum. 

Ich nehme eine Auszeit, höre Musik und meditiere an Oberdeck, morgen fahren wir die Strecke ja wieder zurück. Nach dem Mittag gehe ich auf Kabine und schlafe, als hätte ich geahnt, daß ich in der Nacht kaum schlafen konnte. Das Menü, ich lasse mir eine Misosuppe aufrühren, Steffen bekommt Knobisuppe. Normal gibt es Hühnercremesuppe, als Hauptgang Filet Veau, falsches zähes Rinderfilet und als Dessert Käse. 




Ich stehe auf und wir gehen in die Stadt, dort bummeln wir umher auf Suche nach einem Restaurant. Direkt an der Kathedrale Notre Dame de Rouen liegt die Brasserie Paul. Die homemade Foie Gras ist ein Genuss, aber die Portionen selbst der Vorspeisen sind der Hammer. Camembert mit Apfel gebacken in Blätterteig, ich probiere es, schmeckt sehr gut. Dann kommen die Hauptgerichte Riesenportionen Steaks und Lachs-Tartar mit Backkartoffel. Wir gehen an Oberdeck, weil es schön kühl und ruhig ist, Heidi gesellt sich dazu. Captain gibt einen Digestif aus, auf die Hälfte der Reise. Um 23.00 h ziehen wir uns zurück, die anderen sind fast alle noch dem Zwischendeck. Gegen 4.00 h morgens sind junge Leute vor unserem Schiff und feiern und singen. 

Tag 5 Dienstag 24.07.2018 - Der Captain wird entführt!

Geplant war heute die Strecke von Rouen nach Les Andelys, 69 km mit einer Schleuse. Gerädert stehe ich auf, etwas Grüntee und Müsli bauen mich auf. Wir starten später als geplant, da noch Wasser gebunkert wird. Ein Polizeiboot fährt vorbei, leider kommen die beiden Beamten an Bord und verhören ihn. Im Nachhinein ist alles ein Missverständnis und die Beamten stellen sich an, weil Captain kein französisch spricht. Manchmal ist es einfach wie ein Griff ins Klo....

Den Captain nehmen sie mit, um ein Formular mit Hilfe eines Dolmetschers zu unterschreiben. Sabrina gibt Sekt aus und bedient die Leinen. Wir warten auf Captains Rückkehr und das Mittagessen. Schinken mit Meerrettich, Hühnchenbrust mit Sauce, Pilzen und Bohnen, dann Beeren mit Eis. Captain kommt wieder an Bord und um 15.20 h legen wir endlich ab. 

Wir landen nach der Schleuse in Le Mesnil de Poses, wir fahren in den Seitenarm und Ankern hinter der Île de la Motelle. Am Liegeplatz sind wundervolle Häuser, ein kleiner weißer Hund kläfft uns an. Wohl wegen der Wohlgerüche von unserem Grill. Leckerer Kartoffelsalat, grüner Salat und gegrillte Auberginen und Zucchini gibt es als Beilage. Die Sonne geht rot glühend unter. Später am Abend sitzen wir fast alle an Oberdeck. Sabrina hat uns zu einem Chateau Finet aus dem Bordeaux eingeladen. So endet der Tag doch noch sehr schön. Captain verkündet, daß er um 7.30 h starten möchte.

Tag 6 Mittwoch 25.07.2018

Von Poses km 200 aus wollen wir heute nach Mantes-la-Jolie km 109 starten, von Les Andelys zu dem eigentlichen Tagesziel waren es 64 km mit 2 Schleusen, jetzt 91 km. Wir hören die Maschine starten, wir legen ab. Steffen hat in der Dusche auf einmal Hochwasser, er macht sich schnell fertig, um Johann darauf aufmerksam zu machen. 

Johann nimmt einem kleinen Seitenarm hinter der Île de la Lormais, Île de la Cage, die im weiteren Verlauf Île des Grands Bacs heißt bis km 184. Hinter der Île du Port ist leider für Motorboote verboten, perfekt wäre der kleine Ort Muides zum Anlegen gewesen. Die Pumpen kurz abgestellt, schon kommt in der Dusche wieder Wasser hoch. 
In Les Andelys liegen einige Kreuzfahrtschiffe, so entschließt Captain durchzufahren, rechnet mit ca. 19.00 h Ankunft in Mantes-la-Jolie. Dort wird Captain während unseres Landganges dann reparieren. 

In Captains Auftrag frage ich die Gäste der Kabinen 5 und 6, ob die anderen Kabinen deren Toiletten benutzen dürfen. Kein Problem, den Pool machen wir auf als Bad. Steffen geht als erster auf das öffentliche Klo, wie er grinsend verkündet. Wir einigen uns alle prima. An der ersten Schleuse müssen wir warten. Heute gibt es Sauerkrautsuppe, Zander mit Koriander mit Kartoffelpüree mit Erbsen, dann etwas mit Blätterteig. Ich gehe in den Whirlpool, es ist einfach herrlich. Doch lange halte ich es nicht aus, ich gehe auf Kabine, es ist einfach zu heiß. 

Danach passieren wir die 2. Schleuse, kommen auch gleich dran. Wir verbringen den Nachmittag mit Tripple Domino spielen, das ist kniffelig und macht Spaß. 
Gegen 19.00 h machen wir die Leinen fest und ich mache mich gleich fertig. Wir liegen unterhalb der Collégiale Notre Dame aus dem 12. - 13. Jh., unter der Brücke hindurch gehen wir in die Stadt. Wir kommen an einer Bronzestatue eines Hundes vorbei, es ist der Hund von Mantes. 
Der Name "Mantes" stammt aus dem Gallischen: medunta - die Eiche. Der Zusatz "La Jolie" ("die Schöne") stammt aus einem Brief, den König Heinrich IV. an seine in Mantes residierende Geliebte Gabrielle d'Estrées schrieb. Der König schreib an sie: " Ich komme nach Mantes, meine Schöne!" (Quelle Wikipedia).






Richtig nette Brasserien gibt es kaum, eine Angestellte fragte gleich nach der Reservierung. Einen Einheimischen fragen wir in einer Bar nach einem Restaurant, er gleich nach dem Budget. Er weist uns den Weg zu einem sehr guten Lokal in einer kleinen Seitenstraße - das Carte sur Table. Ein Glücksgriff, das war das beste Essen bisher. Liebevoll angerichtet und die 2 Vorspeisen waren durchaus ausreichend. Captain repariert die Abwasseranlage, alles ist wieder gut. Nach Mitternacht gehen wir ins Bett. 

Tag 7 Donnerstag 26.07.2018

Fast pünktlich verlassen wir Mantes-la-Jolie, wir ändern das heutige Endziel in Carrieres-sur-Seine mit einem Zwischenstopp in Conflans-Sainte-Honorine, um dort zu Bunkern. Das Interesse an Versailles bei der Hitze war nicht so groß. Wir passieren wieder einige schöne Villen und um 11.45 h wieder die Schleuse D‘Andresy, es sind einige Meter und wir schaukeln uns hoch. Die letzten Tage ohne viel Bewegung und die Hitze stecken uns allen in den Knochen. 

Um 12.10 h biegen wir in die Oise ein, das Bunkerschiff geht längsseits. Captain verholt auf die andere Seite und wir liegen dort bis 16.00 h, damit die Gäste sich die Beine vertreten können, es gehen kaum welche an Land. Jetzt nehmen wir Kurs auf Carriére-Sur-Seine, wo wir letzte Reise am Place de Fête lagen und die jungen Leute uns in Trab gehalten haben. 

Das erzähle ich, während Captain seine Route für heute erläutert, in dem Routenplan steht nur schöner Liegeplatz. Auf Steuerbord liegen die Schleusen Bogival. Wir fahren in die letzte Schleuse für heute, von dort sind es noch ca. 30 min bis zum Liegeplatz. Herr Pauli mit seinem perfekten Französisch reserviert uns einen Tisch, wir gehen wieder ins Ristorante Il Vaporetto. Zwei Vorspeisen des Tages Avocado Tiramisu mit Krebsfleisch und Carpaccio d‘Espadon (Schwertfisch), als Nachtisch 2 Scheibchen Gorgonzola. Wir gehen wieder an die Dalben vor der Schleuse, weil jetzt schon reichlich Jugendliche am Anleger sitzen. So ist die Nacht ruhig aber 26,8 Grad heiß bei ‚stehender‘ Luft. 

Tag 8 Freitag 27.07.2018

Captain verholt zurück zum Anleger, Frühstück gibt es etwas später, weil Captains Suche nach Baguette etwas dauert. Um 9.45 h legen wir wieder ab Kurs Paris. Wir sind schon im Nebenarm, da sehen wir die Crew von dem Bagger Kobelco wie verrückt winken, schließlich fahren sie hinter uns her und sagen, dass der Nebenarm in 3 km gesperrt ist. Wir befinden uns auf Höhe Épinay-sur-Seine, da wir aber kurz genug sind, um uns hier zu drehen, verlieren wir nicht so viel Zeit. 
Leider müssen wir nun denselben Weg zurück nach Paris nehmen. Es war kein Sperrschild zu sehen. Allerdings steht auf der Elektronischen Karte Verbot für Talfahrt, sind aber Bergfahrt, wir vermuten, dass dort eine Baustelle ist. 




Wir passieren wieder das "Ei" und die Neustadt, dann folgen zur Mittagszeit die schönen Hausboote vor Paris. Das Menü des heutigen Tages besteht aus Brokkoli-Suppe, Spagetti mit Krabben und Knoblauchtomatensauce, als Dessert gibt es selbst gemachtes Limonen-Zitronensorbet. Um 11.00 auf Steuerbord gibt es den ersten Blick auf den Eiffelturm. Nach dem Essen sind alle so schnell in Position, um natürlich die Sehenswürdigkeiten zu fotografieren. 
Gemütlich fahren wir zu unserem Liegeplatz Port de l’Arsenal zurück, so dass wir entspannt schon einigen Sachen einpacken können und noch einmal auf Dosenjagd gehen können. Da hat mich die Heidi angesteckt. Diese Französischen Fischdosen sind aber auch lecker, die beste Sauce ist die pikante Sauce á l’escabèche, die es in Deutschland nicht gibt. 




Wir verabreden uns mit den Männern am Chez Papa (Website), da müssen wir zum Abschied noch einmal hin. Wir Frauen werden auch gleich wieder an ‚unserem‘ Tisch platziert. Es wird immer dunkler, unsere Männer bekommen die ersten Tropfen ab. Dann bricht die Hölle los mit Starkregen, Gewitter und großen Hagelkörnern. Das Essen war wieder prima und wir genießen die Zeit. Eine Regenpause nutzen wir um Pfützen herum hüpfend, um zurück zum Schiff zu kommen. Wir sitzen noch im Salon und lassen den letzten Abend ausklingen.



Tag 9 Samstag 28.07.2018

Heute ist unsere Reise wieder zu Ende. Wir warten auf unser Großraum Taxi, das uns zum Bahnhof fahren soll. Mit dem TGV fahren wir nach Karlsruhe, steigen dort in den ICE und starten gerade gen Mannheim, da gibt es einen Stoß und eine Vollbremsung. Erster Gedanke, oops, da ist wohl jemand davor gesprungen. 

Wir sitzen in einem 5er Abteil, die Dame, die mit uns darinsaß, war gerade in den Restaurantwagen gegangen. Glück für Heidi, weil sie sich in ihren Sitz gesetzt hat und ein Kaffee, der auf dem Tisch stand sich in ihren Platz ergossen hat. Unsere Bahnbegleiterin kam vorbei und bestätigte diesen Verdacht und hat uns Getränke vorbeigebracht. Uns war klar, dass das nun dauern wird. Nach zwei Stunden wurde über eine schmale Planke mit 700 Personen und Urlaubsgepäck umgestiegen auf einen IC nach Mannheim. Dumm für die, die nur eben von Karlsruhe nach Mannheim fahren wollten, das dauert nämlich nur so 20 Minuten. 

In Mannheim angekommen hatte, wie soll es auch sein, der Fahrkartenschalter gerade geschlossen. Es wurden Notschalter aufgemacht, wir bekommen eine Übernachtung und sollen am nächsten Morgen wegen einer Verbindung fragen. An dem Schalter spielen sich Dramen ab, Kinder weinen und die Menschen sind mehr als genervt. Wir nehmen es gelassen und gehen zu dem Pakistanischen Bustan Restaurant - sehr lecker!

Am nächsten Morgen hat Steffen schon die Verbindungen gecheckt und sieht, dass einer der Züge ausfällt, das wussten die am Schalter noch nicht einmal. Wir werden getrennt und fahren mit einer Stunde unterschied, kommen aber fast zur gleichen Zeit zuhause erschöpft an. 

Ende gut, alles gut!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

©️Constanze Hoffmann