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Samstag, 22. November 2014

Im Gespräch mit Kapitän Thilo Natke



Thilo Natke auf der Wanderung auf der Insel Brava / Kapverden im Oktober 2014

Kapitän Thilo Natke kenne schon ich seit unserer ersten gemeinsamen Reise in die Antarktis 2005. ( Hier geht es zu dieser Reise). Der gebürtige Hannoveraner beeindruckt durch seine interessanten Ausführungen mit humoristischen Einlagen, getragen von seiner tiefen, wohlklingenden Stimme, sie lassen einen guten Rhetoriker erkennen. Thilo Natke fährt bereits seit 22 Jahren auf der HANSEATIC und seit mehr als 15 Jahren Stammkapitän. Bis 1989 hatte er sich in der Frachtschifffahrt zum Zweiten Offizier hochgedient, das Kapitänspatent erworben und nebenbei die ganze Welt gesehen. Doch mit der Zeit spürte er das Verlangen nach einer neuen Herausforderung, so heuerte er auf einem Kreuzfahrtschiff an.


1)    Was waren Ihre Beweggründe zur See zu fahren?
Im Gegensatz zu einigen Kollegen habe ich keinen familiären Hintergrund dazu. Ich hatte gerade mein Abitur abgeschlossen, da war dann die Berufsentscheidung fällig. Auf keinen Fall wollte ich meine Zeit nur an einem Schreibtisch verbringen. Immer schon war ich gerne unterwegs und mein Interesse an Schiffen sowie der Reiz, neue Destinationen kennenzulernen, ließen mich diese Entscheidung treffen. Meine Familie hat weder mir dazu geraten noch abgeraten. 

2)    Wie verhält es sich mit der Seefahrer-Romantik?
Das hat mich kaum interessiert. In erster Linie war es für mich wichtig, die Destinationen kennenzulernen. Bei Beginn meiner Karriere in den achtziger Jahren gab es durch die längeren Liegezeiten durchaus mehr Möglichkeiten dazu. In der heutigen Zeit verkürzen hohe Liegegebühren im Hafen und stramme Fahrpläne bei Containerschiffen den Hafenaufenthalt. Mein erster Trip war als junger Kadett eine Fahrt von Hamburg nach Indien auf einem Schwergutschiff, dort hatten wir in vielen Häfen noch mehrtägige oder gar wochenlange Liegezeiten.

3)    Wieviel Prozent der Welt haben Sie schon "erreist"?
Durch meinen Beruf habe ich fast alle Küstenländer der Welt und hunderte von
Häfen besucht. Das Landesinnere einiger Länder habe ich dann auf Privatreisen
erkundet. Die Nordost Passage, auf der Sie auch mit von der Partie waren, war meine letzte spektakuläre Reise und für viele Passagiere und viele von der Crew eine langersehnte Destination.


Auf meine Frage, was ihn am meisten beeindruckt hat, nennt Kapitän Natke "Phi Max", das Erreichen des nördlichsten Punktes auf fast 86 Grad nördlicher Breite. Besondere Umstände seien dafür verantwortlich gewesen, die diese ungewöhnlich große, eisfreie Zone entstehen ließen. 


4)    Was ist Ihr Favorit aller bereisten Destinationen?
Das sind die Polarregionen: Arktis und Antarktis von denen ich, wie Sie ja wissen, auch im Urlaub, immer die aktuellen Eisverhältnisse auf der Website der Uni Bremen verfolge. (Link zu den Eiskarten der Uni Bremen). Am liebsten fahre ich in die Antarktis, sie zu befahren ist nautisch immer wieder eine besondere Herausforderung. [Anmerkung - Bereits seine erste Dienstfahrt auf einem Passagierschiff führte ihn 1990 als Zweiten Offizier in die Gewässer vor dem 'sechsten Kontinent'].


5)    Was vermissen Sie auf See?
Ich vermisse heute immer weniger als früher. Der Standard für die Crew hat sich wesentlich verbessert, während meiner Frachtschiff-Fahrten vor 30 Jahren war er noch ein anderer. Was mir manchmal fehlt ist der Auslauf. Gerade bei den Antarktis-Expeditionen ist die Möglichkeit, sich ausgiebig zu bewegen ja sehr beschränkt, wie sie wissen. Ich versuche während der Touren aber jede mögliche Gelegenheit zu nutzen.


6)    Ihr eigenes wichtiges Thema, was liegt Ihnen am Herzen?
Das ist ein berufliches, die Expeditionskreuzfahrten werden durch die Auflagen der Behörden, strengere Sicherheitsvorschriften und Vorschriften der Reederei leider immer mehr eingeschränkt, als wie vor 20 Jahren.


7)    Welche Gebiete möchten Sie noch sehen?
In der Südsee gäbe es noch einige Inseln, die mir noch fehlen, sowie Tasmanien und die Westküste Australiens. Es gibt durchaus noch einige weiße Flecken auf meiner persönlichen Seekarte.


Danke Captain für dieses Gespräch. 

MS Hanseatic auf der Nordostpassage Ausbootung zu "Holiday on Ice" auf einer Eisscholle

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag 
© Constanze Hoffmann
 


Montag, 15. September 2014

2014 Premiere Nordostpassage der MS Hanseatic

Vorabbericht

Fotoquelle Hapag Lloyd Kreuzfahrten GmbH



























Unterwegs auf den Spuren großer Entdecker - 135 Jahre nach der ersten gelungenen Nordostpassage (kurz NOP) wagen wir uns mit der MS Hanseatic als erstes nicht russisches Kreuzfahrtschiff auf die Nord Ost Passage. Sehen Sie spektakuläre Landschaften und einstige Sperrgebiete, die außer Forschern und Entdeckern kaum jemand zu Gesicht bekommen hat.

Wie schon im 16. Jh. auf den Spuren berühmter Entdecker auf der Suche nach neuen, sicheren Seewegen nach China wie der Brite Sir Hugh Willoughby im Jahre 1553 begaben wir uns am Mittwoch, den 13.08.2014 auf für uns unbekannte Pfade. Vitus Bering entdeckte Teilbereiche wie die sibirische Küste, Willem Barents scheiterte im Packeis. Die komplette Nord Ost Passage gelang erstmals 1878 und 1879, der Schwede Adolf Erik Nordenskiöld fuhr auf der Vega von Europa an den Küsten Sibiriens entlang durch die Beringstraße nach Japan.

Die Nordostpassage ist ein Seeweg im Nordpolarmeer entlang der Nordküsten Europas und Asiens, vom Weißen Meer bis zur Beringstraße. Die Nordostpassage ist rund 6.500 Kilometer lang. Lesen Sie hier mehr darüber bei Wikipedia.


Vor dem Kap Dezhnev mit Steffen Graupner 

Die globale Erwärmung hinterlässt ihre Spuren. Kapitän Thilo Natke, der die Eiskarten beider Pole immer beobachtet, hat so einen Einschnitt in das Polareis noch nicht gesehen. Sie sehen die Karte vom 19.08.2014 und darunter zum Vergleich die Karte vom 19.09.2014. 

Eiskarte Uni Bremen fotografiert auf der Brücke


Eiskarte Uni Bremen




Wir haben Geschichte geschrieben, Sie sehen auf dem Foto die Position, die wir oben auf der Brücke noch erwischten. Aufgerundet erreichten wir 85°41'N und 135°39,6' O, nur noch 480 km vom Nordpol entfernt. Das ist der neue Weltrekord, die höchste Position, die je ein Passagierschiff mit konventionellem Antrieb je erreicht hat. Ich hätte niemals gedacht, daß ich eigentlich nur einen Katzensprung vom Nordpol entfernt stehen würde — hier: fast am Nordpol.

Weitere Infos und der Ablauf der Nordostpassage folgen- lieben Dank an Kapitän Natke und seine Crew!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag 
© Constanze Hoffmann