- Oma Olja oder von der Ajon Insel zur nördlichsten Position
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Bildquelle Hapag Lloyd Kreuzfahrten GmbH
Reisen veredelt den Geist
und räumt mit unseren Vorurteilen auf.
Oscar Wilde (1854 - 1900)
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| Das Haus der Tschuktschen nennt man Jaranga (tschuktsch. яраӈа „Haus“) |
Do
21.08.2014 Ajon Insel
Die
Ankunft an dieser Insel ist eine Premiere Anlandung der Hanse. Am Vormittag
gibt es einen Vortrag über den legendären Seeweg, den wir nun allerdings
andersherum erkunden. Wir fühlen uns ein wenig wie Entdecker. Nach einem
leckeren asiatischen Büfett, landen wir am Nachmittag an der Ajon Insel an. Es
gibt eine Art Kolonialwarenladen wie mein Opa Heini einen hatte.
Eine typische
Jaranga steht im Ort, in der Oma Olja, eine ältere Dame lebt, die nicht ganz
genau weiß, wie alt sie ist und die uns die Vorzüge des Lebens in einer Jaranga
zu dem Leben in „modernen“ Häusern zeigen möchte. In
einem der Räume der Schule wurde ein Museum untergebracht.
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| © Foto Steffen Graupner |
© Auszug des Textes von Steffen Graupner, Lektor für Landeskunde und
Geowissenschaften
Zart rotglühend glimmt ein winziger Punkt im Dunkel der
Jaranga, bewegt sich von Zeit zu Zeit wie ein schlaftrunkenes Glühwürmchen,
hält für Sekunden inne, nimmt dann wieder Fahrt auf, verharrt, vergrößert
seinen Lichtschein und wird heller und leuchtend orange, nur um dann wieder in
ein schwaches Rot zu verblassen und in der Dunkelheit fast ganz zu
verschwinden. Es ist das einzige für mich sichtbare Zeichen von Leben, hinten rechts in der Jaranga.
Als sich meine Augen ein wenig an das Dunkel des
Wohnzeltes der Tschuktschen angepasst haben, kann ich erkennen, dass das
„Glühwürmchen“ keineswegs ein Eigenleben führt, sondern der sicheren Hand von
Oma Olga gehorcht, die genussvoll an ihrer Zigarette zieht, den Rauch einatmet
und beim Ausatmen den Tschottagin in weiße Wolken hüllt. Obwohl die Raucherin
längst gebrechlich und schwerhörig ist, sind ihre Hände doch kraftvoll und
sehnig und führen die Zigarette mit Bestimmtheit. Es sind Hände, die über und
über von Falten überzogen sind. Schöne Hände, so, wie Menschen sie sich nur in
einem langen Leben voll schwerer, ehrlicher, selbstbestimmter Arbeit in der
Tundra erwerben können. Von dieser Arbeit und ihrem Leben erzählt uns Oma Olga, nachdem ihr Enkel Wanja ein Holzfeuerchen entzündet und den
Teekessel darüberhängt hat, seiner Grossmutter den die Alten ehrenden zustehenden
besten Platz der Jaranga mit weichen Kissen bereitet, die Gäste bewirtet und
dann seiner Oma Olja, zärtliche Koseform für Olga, die Fragen der Gäste laut
ins Ohrgesprochen hat.
Oma Olja wurde in der Jaranga geboren. Wann, das kann sie
so genau nicht sagen. Aber das es die Jaranga war, weiss sie ganz genau. Anders
kann es nicht sein. Nicht damals. Damals, als das Leben der Tschuktschen noch
fast unverändert war von unserer Zivilisation. Die Jaranga ist die Wohnstatt
der Tschuktschen draussen in der Tundra. Fünf bis sechs Meter im Durchmesser
werden von einem Holzgerüst aufgespannt, darüber kommt eine „Zeltplane“ aus Dutzenden
zusammengenähter Rentierfelle. In der Mitte der Jaranga brennt ein kleines
Feuerchen, auf dem gekocht wird, der Rauch entweicht an der Decke durch einen
kleinen Abzug. Die Jaranga besteht aus zwei Räumen, dem Tschottagin und dem
Polog. Im Tschottagin, dem „kalten Raum“ findet das tägliche Leben statt, die
Hausarbeit, das Kochen und Essen. Im Polog, dem warmen Raum, wird geschlafen.
Der Polog wird im hinteren Teil der Jaranga errichtet, besteht aus einer Lage
von vier dicken Winterfellen der Rentiere, um die ein dichter Vorhang aus
Rentierfellen gehängt wird. Wenn es in der Tundra im Winter bei -40°C stürmt
und schneit, dann sind es im Polog durch die gute Isolation der Rentierfelle
und durch die Eigenwärme der Bewohner immer noch kuschelige +20°C. Hier wurde
Oma Olja geboren, irgendwo in der Tundra.
Zeit ihres Lebens war Olja die Frau eines
Rentierzüchters, ist mit ihm im Rhythmus der Jahreszeiten mit der Jaranga den
Weideplätzen der Rentiere hinterhergezogen. Oma Oljas Jaranga steht heute direkt hinter dem Dorf –
sie hat sie vor einer Woche als Fest-Jaranga aufbauen lassen, als sich die
Rentierhirten hier zum alljährlichen „Fest der jungen Rene“ versammelt hatten.
Für die Ankunft der MS Hanseatic auf der Insel Ajon hat sie die Jaranga stehen
lassen, um uns ihr traditionelles Leben zeigen zu können. Voll Stolz berichtet
Oma Olja davon, wie gut es sich in der Jaranga lebt. Und davon, dass natürlich
Krankenhaus und Dorfladen auch nicht zu verachten sind als Errungenschaften der
neuen Zeit. Und vor allem berichtet Oma Olja, wie glücklich sie ist, dass ihre
Enkel nun weitgehend selbstbestimmt entscheiden können, wie sie ihr Leben
gestalten mit dem bestbewährten aus der alten Zeit und dem Besten aus der neuen
Zeit.
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| So läßt es sich aushalten - Impression der Ajon Insel |
Wir haben jetzt dank Oma Olja und durch die Vorträge von unserem Experten Steffen einen Einblick in die Lebensweise der Tschuktschen bekommen. Um 20.00 h verlassen
wir die Insel mit Kurs auf die Medvezhi Inseln – Entfernung 118 sm. Heute findet wieder ein Recap /
Precap statt mit Vorschau auf die nächsten Tage - vormittags fahren wir zur Chetyryokhstolbovoy
Insel, am Mittag dann zur Kreuzinsel (Krestovskiy Insel), wie es dann weitergeht?
Wetter und Eis bestimmen die Route. Geplant sind die Neusibirischen Inseln in
445 sm, so daß nach den Medvezhi Inseln ein Seetag anfällt.
Die Medvezhiy Inseln wurden 1710 von Jakow Permjakow im Rahmen einer Expedition von der Lenamündung zur Kolyma entdeckt.
Während einer von 1820 bis 1824 dauernden Expedition Ferdinand von Wrangels durch die Ostsibirische See und die Tschuktschensee, befuhr der Arktisforscher Fjodor Matjuschkin die Medweschji-Inseln und kartografierte diese.
Auch Adolf Erik Nordenskiöld sichtete die Inseln auf seiner Fahrt durch die Nordostpassage [Quelle Wikipedia].
Fr
22.08. Chetyryokhstolbovoy
Insel 07.30-11.30 h (Anker), Krestovskiy Insel 15-18 h (Anker)
Am
Morgen auf der Insel mit dem unaussprechlichen Namen müssen erst die Hütten auf
Eisbären gecheckt werden. Was gab es zu entdecken? Eine verlassene
Wetterstation, jede Menge "Fassbären", verrostete Fässer und anderer
Schrott, der mich immer wieder zu Fotos animiert. Außerdem begeistern uns an
die Moai auf der Osterinsel erinnernde Felsformationen aus Granit, deren
höchster Felsen immerhin 30 Meter misst. Um 11.30 h nehmen wir Kurs auf die
Kreuzinsel in 52 sm, die wir um 15.45 h erreichen. Dort ist trotz der
entfernten Eisbärensichtung eine Tundrawanderung möglich. Wir sehen einen
Polarfuchs, leider nur tot, eine Woolibär Raupe und eine Eisbärenhöhle.
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| "Fassbären" |
Vor
dem Recap / Precap stellt Kapitän Natke unseren Ice Piloten aus Murmansk vor, der auch Dozent an einer Uni ist. Steffen
erzählt über die Vorzüge des Schrottes. Wussten Sie, daß dieser die kleinen
Pflänzchen mit Eisen und Wärme versorgt? Das erklärt, warum so viele gerade in
der Nähe der Fässer wachsen. Außerdem erklärt er, daß die Tschuktschen sehr wortkarg sind. Als Beispiel eine Begrüßung an der Jaranga. Der Wanderer kommt an der Jaranga an und sagt: Jettik!! Als Antwort erklingt dann ein Jiiiiiech!! Übersetzt sagt der Wanderer: Angekommen, als Antwort kommt aus dem Zelt nur ein: Jaaaaa!
Passend zur Gegend findet heute ein Vitus Bering Abendessen statt. Heute müssen wir die Uhren um eine Stunde
vorstellen. Wetterdaten 6.00 h: 5,5°, 3°, 1010 hPa, 88%, O4, blauer Himmel, SA 04:39 h, SU 21:21 h.
Sa
23.08. Seetag – Kurs Neusibirische Inseln
9:00 h
Durchsage des Kapitäns: Unsere Position 72°31’N 151°31’O im Ostsibirischen
Meer, 200 sm seit der Kreuzinsel, Restdistanz 215 sm, westlicher Kurs mit 296°,
40 sm auf Backbord liegt das Russische Festland. Ein einzelner kleiner Eisberg
wurde gesichtet, das ist sehr ungewöhnlich, aber wohl durch die Strömung
gekommen. Vorträge bestimmen meinen Tagesablauf, sowie das Schreiben und Fotos
sichten. Sylvia Stevens erzählt in ihrem Vortrag über die Natur in der Tundra
und Brigitte Fugger erfreut uns mit ihrer Ausführung über Eisbären und auch
Hybridbären. Wir
erfahren beim Recap, daß uns die Erlaubnis für Franz Josef Land trotz der
Bemühungen des Agenten entzogen wurde. Natürlich geht ein Raunen durch die
Lounge. Kapitän klärt die Lage auf und sagt, es hätte unter den Umständen ja
auch eine Nordwestpassage werden können. Und daß die Inseln ironischerweise
bis auf den Süden in dickem Eis liegen. In der aktuellen Eiskarte gebe es einen
tiefen Einschnitt ins Eis, der bis ca. 84° in den Norden reicht. Da wir durch
Ausfall Franz Josef Lands 5 Tage gespart haben, haben wir genügend Zeit, soweit
zur Eiskante hinauffahren wie möglich und wieder zurück. Die Gäste sind
begeistert und applaudieren. Das wäre die nördlichste Position, die je ein konventionell betriebenes
Kreuzfahrtschiff erreicht hätte. Hajo Spitzenberger, unser
Expeditionsleiter, erläutert den weiteren Routenplan, erzählt Wissenswertes
über die Neusibirischen Inseln und das sagenumwobene Sannikov Land. Auf den Neusibirischen Inseln wurden zahlreiche Knochenfunde von Mammuts, Nashörnern und Flusspferden entdeckt, sie sind paläontologisch sehr wichtig. Im Jahre 2007 wurde ein sehr gut erhaltenes Mammutbaby von geschätzten 6 Monaten gefunden. (>> Hier geht es zu einem Link von spiegel.de). >> hier die Fotostrecke.
Hier ließ im Jahre
1893 der Forscher Fridtjof Nansen sein Schiff einfrieren, um Mithilfe der
natürlichen Eisdrift des Arktischen Ozeans den geografischen Nordpol zu
erreichen. Noch heute sind die Inseln kaum erforscht und bis auf die Forscher
einiger Wetterstationen unbewohnt. So erwartete uns eine unberührte arktische
Tundra, ein ursprünglicher Lebensraum von Rentieren, Wölfen, Schneehühnern
und Lemmingen.
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| Karte von M. Gorjunow von 1906 |
Am nächsten Tag wollen wir die Sannikov
Polarstation auf der Kotelny Insel besuchen. Am Abend stellen Kapitän Natke und Trixi, unsere Cruise-Sales, die Antarktis vor: Traumziel Antarktis in der Explorer Lounge. Wetterdaten: 4°,
1,5°, 1018,5 hPa, 92%, NW5, bedeckt, SA 4:51 h, SU 23:14 h.
So
24.08. Expeditionstag – Sannikov Station – keine Anlandung, Belkovsky Insel
15-18 h (Anker)
Um 05.45 h
werden wir durch das Kratzen des Eises am Schiffsrumpf geweckt. Ein kurzer
Blick hinaus und ich hüpfe lieber wieder in die warme Koje. Um 07.15 h kratzt und weckt uns das
zweite dickere Eisfeld. Hajo informiert uns um 08.30 h, daß wegen des breiten
Eisgürtels vor der Sannikov Station keine Anlandung dort möglich ist. So nehmen wir Kurs auf die Delong Inseln. 09.00 h Kapitän s Durchsage: Er ergänzt die Durchsage von Hajo, daß nur
3 m Tiefe bis 2,5 sm vor der Station herrschen. Position 74°38’N 138°48’O, etwa
auf der Höhe der Diskobucht auf Grönland, westlicher Kurs auf die Belkovsky Inseln in 85 sm. Seit Nome in Alaska haben wir laut dem Navigationsoffizier 1925 sm hinter uns
gebracht. Zurzeit fahren wir reduzierte Geschwindigkeit und werden später, wenn
es eisfrei wird wieder mit 14 Knoten weiterfahren. Franz hält um 10.00 h den
Vortrag – Riesen der Eiszeit. Am Nachmittag um 15.15 h werfen wir den Anker vor
Belikov 1, so steht es auf der Tafel des Expeditionsleiters Hajo. Wir staunen
über die faszinierende Geologie der Belkovsky Insel mit ihren unzähligen
Schieferplatten.
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Um 18.00 h Anker hoch mit Kurs auf die Bennett Insel nördlich
der Neusibirischen Inseln, dort wollen wir am späten Nachmittag ausbooten. Es
gibt evtl. einige Eisfelder in der Nacht.
Interessante
Themen im Recap/ Precap: Die Delong Inseln nach George Washington Delong 1844 –
1881, er wollte mit seinem Schiff Jeannette zum Nordpol. Am 8. Juli 1879 brach er in San Francisco (Vereinigte Staaten) mit dem Schiff Jeannette und 32 Mann Besatzung zu einer von dem Verleger James Gordon Bennett Jr. finanzierten Nordpolarexpedition zur Klärung des Schicksals des von Adolf Erik Freiherr von Nordenskiöld genutzten und vermissten Schiffs Vega auf. Nach einem Zwischenstopp in Alaska passierte er am 29. August 1879 die Beringstraße und erreichte die Tschuktschenhalbinsel. Hier erfuhr DeLong, dass die Vega nach geglückter Überwinterung ihre Fahrt fortgesetzt hatte. Daraufhin fasste er den Entschluss, mit der Jeannette den Nordpol zu erreichen (Quelle Wikipedia).
Eduard von Toll, der 1902 südlich der Bennett Insel mit samt Schiff und Crew verscholl.
Eine spätere Rettungsexpedition, die von Alexander Koltschak
geleitet wurde, fand zwar die Tagebücher und wissenschaftlichen
Sammlungen der Sarja-Expedition; Toll und seine Crew blieben aber
verschollen.
Nach Toll sind Berge auf Nowaja Semlja und der Bennett-Insel ebenso benannt wie eine Bucht der Taimyrhalbinsel und ein Kap auf der Insel Zirkul (Циркуль). Weiters trägt ein Plateau auf Kotelny seinen Namen [Quelle Wikipedia].
Fridtjof Nansen mit der Fram zum Nordpol, von Franz Josef Land nach Spitzbergen
im Eis gedriftet, dort war er wieder frei. In seiner Tätigkeit als Polarforscher durchquerte er 1888 als Erster Grönland über das Inlandeis und stellte während seiner Nordpolarexpedition (1893–1896) gemeinsam mit Fredrik Hjalmar Johansen am 8. April 1895 mit einer geographischen Breite von 86° 13,6′ N einen neuen Rekord in der bis dahin größten erreichten Annäherung an den geographischen Nordpol auf [Quelle Wikipedia].
Steffen erzählt mehr vom Sannikov Land,
er hat mir auf das Foto der obigen Karte gegeben. Auch Toll sah das Sannikov Land, war es
eine Spiegelung. Oder ist die Insel wieder versunken, weil sie so flach war? Viele Mythen ranken um diese Insel.

Biologin Brigitte berichtet über die Wurmflechten auch Leichenfinger (siehe Foto oben) genannt,
sowie mikrobiologische Krusten und Flechten, die hier wachsen. Franz erstaunt
uns mit Steinen und fossilen Pflanzen, deren Samen im Magen eines Tieres 33.000
Jahre im Permafrostboden eingefroren war. Nach dem Auftauen wuchs die Pflanze
wieder. Hajo läßt die Route Revue passieren und erläutert die neuen Destinationen, von
den Kotelny Inseln über unsere gescheiterte Anlandung auf der Delong Insel. Auf
der Belkovskiy Insel benannte er eine Bucht in Thilo nach unserem Kapitän. Morgen
erreichen wir dann die Bennett Insel, danach geht es für uns gen Norden auf
vielleicht 85°? Wir erreichen die neusibirischen Inseln, haben kein Internet
und keinen Satelliten Empfang, selbst der Kapitän bekommt die Infos nur noch
über ein sehr langsames Einwahlverfahren. Es liegt an der Erdkrümmung, wir befinden nördlicher als Spitzbergen und selbst als Franz Josef Land. Wetterdaten 6.00 h: 4,5°,
1°, 1012 hPa, 88%, SO4, bedeckt, SA 04:12 h, SU 23:28 h.
Mo
25.08. Bennett Insel / Neusibirische Insel
Unser
nächstes Ziel die Bennett Insel umrunden wir mit den drei Kaps mit folgenden
Frauennamen: Das östliche heißt Emmelin, fahren in Richtung des im Westen
liegenden Kaps Emma, um einen Ankerplatz zu suchen. Das dritte südliche wurde
nach Sophia genannt. Seit
1902 hat kein bekannter Mensch, den Fuß auf diese Insel gesetzt. Der letzte war
wohl der hier mit Schiff und Crew verschollenen Eduard von Toll. Am
Strand sehen wir einige Thors- und Odinshühnchen.
Wir finden Skuagewölle, sehen verschiedene Quarze, 2 Lavabomben mit
Einschlüssen und diverse Moose und Flechten. Am Strand liegen zwei Walrösser,
von den Gästen verdeckt, schön anzusehen mit den Nordostpassagen Parkas.

Die Walrösser kann ich aber gut „einfangen“, als sie ins Wasser flüchten, da ich
mich ebenfalls ins kühle Nass bewege. Um 16.30 h nehmen wir Kurs Nord auf die
Eisgrenze, morgen haben wir einen Seetag und etwa 470 sm vor uns. Recap/ Precap:
Brigitte hat unser Skuagewölle auseinander genommen, es waren nur Vogelknochen
darin. Franz zeigt uns Fotos einer Asselspinne, einer Pantopode - übersetzt nur
Beine. Vor uns liegen 2 Seetage, dann fahren wir weiter zur Taimyrhalbinsel,
zum Kap Tscheljuskin und zur Sewernaja Semlja. Am Abend geben die Kaljushnvs und die Glorious Four ein Konzert: Sing,
sing, sing von Gershwin bis Goodman. Wetterdaten 6.00h: 3°, 2°, 1005,5 hPa,
95%, SO4, bedeckt, SA 03:15 h, SU 22:42 h, Uhr eine Stunde zurückstellen.
Die
26.08. Seetag
Heute gibt
es Vorträge und genügend Zeit zu Schreiben und Foto zu sichten. 9.00 h
Kapitänsdurchsage: Position 80°26’N 145°15’O. Wir erreichen die nördliche
Eisgrenze etwa gegen 8.00 h morgens, fahren Nordkurs mit 345°, seit der Bennett
Insel haben wir 237 sm hinter uns gebracht, 14 Knoten, Ozeantiefe von 500 –
mehr als 1000 m im Lemonossow Bassin. Wetter heute: 3°, 2°, 995 hPa, SW4, Welle
1-1,5 m. Um 10.00 h Christine mit dem Vortrag – 90° Mit einem Eisbrecher zum
Nordpol. Gegen 11.00 h sehen wir, daß wir schon unsere nördlichste Position von
81°06’N unserer Spitzbergen Tour übertroffen haben. Um 16.45 h hält Sylvia den
Vortrag: „Die Seevögel – ständige Begleiter im Wind“. SA 03:57 h, SU 22:41 h.
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| An der Eiskante entlang |
Mi
27.08. Nördlichste Position 85°41‘N
Bereits um
06.00 h überqueren wir den 85. Breitengrad. Die Eisgrenze ist als heller Schein
in der Ferne auszumachen. Die globale Erwärmung hat uns eine extrem in Richtung
Nordpol reichende Zunge ins Polareis geschnitten, die uns um 10.00h die
nördlichste Zodiactour auf sagenhaften 85°41’N ermöglicht. Kapitän läßt das
Horn ertönen. Es ist der Tag des nördlichsten Geburtstages, Glühweines, was
auch immer.
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| Die seltene Rosenmöwe |
Wir können die seltenen Rosenmöwen mit ihren rosafarbenen Bäuchlein
beobachten, die immer wieder neugierig um unsere Zodiacs fliegen. Die
nördlichste Position, die je ein konventionell betriebenes Kreuzfahrtschiff
erreicht hat, feiern wir mit einer Pølserparty an Deck. Unser Kapitän macht
Meldung an die Hapag und der Rekord wird in der Presse bekannt. Einen etwas
komischen Beigeschmack hat das Ganze, wenn man bedenkt, unter welchen schwierigen
Bedingungen die Entdecker damals zu kämpfen hatten. Nansen war damals zu Fuß
unterwegs und mußte bei 86°633’N umkehren. Wir sind nur noch 259 sm bzw. 480 km
vom Nordpol entfernt. Ich versuche nach der Pølserparty ein wenig zu schlafen,
aber meine schwirrenden Gedanken lassen mich nicht zur Ruhe kommen. Ich schreibe oben in der Observation Lounge. Die nördliche Eiskante liegt jetzt hinter uns. Ich kann immer noch nicht glauben, daß wir so weit nördlich unterwegs waren. Auf der Brücke erfahre ich, daß der Forschungseisbrecher Nordstern sich zur Zeit am Nordpol befindet.
Beim Recap: Der Kapitän erklärt, es
gibt nur wenige Stellen an denen Eisbrecher, den Nordpol erreichen können, an der Ostküste Grönlands geht es
zum Beispiel gar nicht. Er sagt, daß der Eisbrecher Nordstern vorher schon zweimal hier war. Das Thema Eisdrift wird behandelt, welche Schiffe den Nordpol erreichten. Warum gibt es eine
so große eisfreie Zunge hier oben? Liegt es am flachen Wasser des Lomonossow Rückens? Die Breite des Rückens schwankt zwischen 60 und 200 km. Er ragt 3300 bis
3700 m über den Meeresgrund auf. Die geringste Tiefe des Rückens
beträgt 954 m. Der Lomonossow-Rücken wurde im Jahr 1948 von einer sowjetischen Expedition entdeckt und nach Michail Lomonossow benannt.[Quelle Wikipedia].
Heute
Abend sehen wir den russischen Film "Kak ja prowel etim letom" – Wie ich diesen Sommer verbrachte - mit englischen Untertiteln. (How I ended this summer - official HD trailer - YouTube).
Die Sonne geht die nächsten zwei Tage nicht mehr unter.
Do
28.08. Seetag mit Kurs auf die Taimyrhalbinsel
9.00 h Durchsage des
Kapitäns: 294 sm seit unserer nördlichsten Position, jetzige Position lautet
81°18’N 125°2’O nördlich von Spitzbergen und Franz Josef Land Kurs 180°, auf
Steuerbord liegt die Eiskante, Wetter: Nebel, später Sonnenschein, zum Kap Tscheljuskin,
das wir voraussichtlich morgen früh erreichen werden, sind es noch 315 sm. Sicht
ca. 10 sm, 1°, 0°, 1016 hPa steigend, NNW2-3, Dünung 1m, rutschig an Oberdeck.
Um 10.00 h Franz mit „Meereis – Süd und Nord“. Die Pressemitteilung der Hapag
liegt aus. Wir machen heute einen Brückenworkshop, Frauke, Security Officer und
2. Navi, erläutert uns den Ablauf und die Planung einer Route. Wie schon in
naher Vergangenheit werden Fragen nach dem Unfall der Costa Concordia gestellt,
diesmal war es dann einmal nicht die Titanic. Christine hält einen Vortrag über den
Forschungseisbrecher Polarstern – Expedition in den Tag ohne Nacht. Recap /
Precap: Franz spricht über Eisbrecher, welche Länder Eisbrecher haben und über
den Bedarf. Wir erfahren von Hajo den geplanten Routenverlauf der nächsten Tage:
zu den Sewernaja Semlja sind es 4 Tage, auf der Taimyrhalbinsel eine Anlandung
geplant am Kap Tscheljuskin (Chelyskin), dem nördlichsten Punkt des Eurasischen
Festlandes, über die Wilkizki Strasse zur Bukta Solnetschnaja. Dort gibt es Eisberge
von den großen Gletschern. Dann kommt noch einmal die Frage zur nördlichsten
Position und die Frage an David zu Nansens nördlichster Position mit 86°633’N. In der Explorer Lounge – Klassik trifft Pop, Alexander mit den
Glorious Four. Die Sonne geht nicht unter, die Uhren müssen wieder eine Stunde
zurückgestellt werden.
So ein weiterer Break, danke Steffen Graupner für das Foto und den Text von Oma Olja! Es gibt ein interessantes Buch von Juri Rytchëu mit dem Titel: Der letzte Schamane, zu dessen neuesten Ausgabe Steffen das obige Coverfoto gestellt hat.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag
© Constanze Hoffmann