Sonntag, 23. September 2012

Interview

mit Kapitän Ulf Wolter an Bord der MS Hanseatic 2012




Wiedersehen nach längerer Zeit - Kapitänsempfang
Auf jeder Reise liegen Informationsblätter mit den am häufigsten gestellten Fragen und Antworten aus, die die Kapitäne stetig überarbeiten. Themen, die ich immer wieder gerne in meinen Blogs aufgreife. Wie komme ich dann dazu so ein Interview zu führen? Einige Fragen haben mich schon seit längerem beschäftigt, unter anderem diese, was ist dran an der Seefahrer - Romantik?

Die MS Hanseatic in alter Lackierung 2005 in der Antarktis





Frage 1: Muß man als Kapitän eine besondere Ausbildung für Fahrten in die Arktis und Antarktis haben?

Wolter: Das ist wie Learning by doing. Man fährt erst als Navigationsoffizier, dann als Sicherheitsoffizier und Ltd. Offizier, nachdem man die Ausbildung zum Seemann  absolviert hat. 
Anmerkung: Ich habe einen Link auf der Hapag Lloyd Seite gefunden – Ausbildung See: http://www.hapag-lloyd.com/de/career/ausbildung_see.html


Frage 2: Was ist dran an der Seefahrerromantik?

Wolter: Das muß jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt neue Perspektiven wie Entdecken neuer Fahrgebiete und das Wiederkehren dorthin. Die Zeiten der langen Liegezeiten sind in der modernen Zeit Geschichte. Die Liegezeiten an den Piers haben sich unter anderem durch teure Gebühren und Containerverladung verkürzt. 


Frage 3: Was genau bewog Sie zur See zu fahren?

Wolter: Ich bin in meiner Familie Kapitän in der 4. Generation – von meinem Urgroßvater an. Von meinem Vater bis zu meinem Urgroßvater waren alle Reeder, ich bin der erste angestellte Kapitän. Meine Schwester und ich sind damit aufgewachsen, so hatten wir keine Chance etwas anderes zu machen – sind hineingewachsen sozusagen. 
Anmerkung: Ich hatte Kapitän Wolter auf ein Foto angesprochen, daß ich für diesen Beitrag verwenden wollte. Ein Foto mit dem ausgemusterten Anker der MS Hanseatic, den der Krautsander Kapitän Ulf Wolter seiner Heimatinsel Krautsand geschenkt hat. Allerdings habe ich es beim Googeln nicht mehr gefunden, um bei der Veröffentlichung die genaue Quelle anzugeben.


Frage 4: Container – sind sie eine Gefahr auf den Weltmeeren?

Wolter: Diese Gefahr besteht meistens auf dem Nordatlantik und dann vermehrt bei Schlechtwetter. Und zwar deshalb, weil sie halb mit Wasser volllaufen und dann nicht mehr auf dem Radar zu sehen sind. Weit aus gefährlicher sind Container für Segelschiffe.
Meine Zwischenfrage, ob man die Gefahr wie die durch Eisberge vergleichen kann, bejahte er und es beruhigte mich, da die MS Hanseatic ja die höchste Eisklasse für Passagierschiffe hat. 

Anmerkung dazu: Ein Schiff mit einer sogenannten Eisklasse ist vollkommen anders konstruiert als ein „normales“ (Kreuzfahrt-)Schiff. Entscheidende Parameter sind zum Beispiel die höhere Stahlplattendicke, der kleinere Spantenabstand, der dem Schiff zusätzlich Festigkeit verleiht, und der Haupteisbereich des Schiffsrumpfes, der deutlich erweitert ist. Siehe auch: http://www.hlkf.de/schiffe/ms-hanseatic/portrait/eisklasse/.

Wie passend, ich habe einen Bericht im ZDF - Terra X-press - gesehen mit Titel "Zwischenfall auf See", ein Thema unter anderem Container über Bord. Hier gelangen Sie zu dem Link.


Frage 5: Was müßte man Ihrer Meinung zum Umweltschutz auf dem Meer beitragen?

Wolter: Immissionen geringer halten, Schweroel ist minderer aber billigerer Treibstoff. In Ökosystemen wie Arktis oder Antarktis fahren wir schon mit Diesel, um diese zu schützen. In der Antarktis ist Schweröl seit August 2011 komplett verboten. 
Was wird bereits gemacht? Man müßte die Filtersysteme weiter verbessern, um die Ausstoß von Abgasen zu verringern. Die Abgase weisen einen hohen Anteil an Ruß, CO2, Schwefel- und Stickoxiden auf. Ausweitung der „Steckdosen“ im Hafen, die wie folgt funktionieren. Sobald das Schiff im Hafen anlegt, werden die Schiffsgeneratoren abgeschaltet und das Schiff per Steckdose mit Strom versorgt.

Anmerkung: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten engagiert sich als Mitbegründerin der AECO und langjähriges Mitglied der IAATO seit Jahrzehnten für einen respektvollen Umgang mit Flora und Fauna.


         

 



http://iaato.org/          


  http://www.aeco.no/

 
Frage 6: Zum Schluß hätte ich gerne eine Anekdote oder eine lustige Geschichte, die sie hier an Bord erlebt haben.

Wolter: Oh, da bräuchte ich bitte Bedenkzeit. 

Danke, für das Interview!

Ein paar Tage später, beim Abschiedscocktail kommt er mit folgender Geschichte um die Ecke: Es war 2006 auf der Premiere Gambia River. Auf dieser Tour hatten sie 150 Gäste und fuhren den Strom hoch. Auf die Frage an den Lotsen nach Gefahren auf dieser Reise, erfährt Kapitän Wolter, daß der Lotse zuletzt vor etlichen Jahren hier fuhr. Das war eigentlich schon suspect genug. 

Die eigentliche Geschichte war ein geplantes Abend - Event an Land in Tendaba (Anmerkung - über das selbst der Link bei Wikipedia nicht viel hergibt).

Um 18.30 h war es bereits dunkel, ein großes Büffet war an Land aufgebaut worden. Mit Zodiacs sollten nun die Gäste an Land gebracht werden. Den Weg an Land schafften von den 7 Zodiacs aber nur 3, die restlichen 4 blieben im Schlick stecken. Es war sehr mühsam, sie wieder freizubekommen. 

Das Fazit der Reise - 25 Gäste bekamen das Büffet, das für 150 Gäste geplant war.      


Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag

© Constanze Hoffmann



1 Kommentar:

  1. Interview von welt.de mit Ulf Wolter, der jetzt die Europa 2 fährt:
    http://www.welt.de/regionales/hamburg/article123968780/Hamburger-Kapitaen-am-Steuer-der-MS-Europa-2.html

    AntwortenLöschen