Donnerstag, 25. September 2014

Nordostpassage 2014 - Die Wrangelinsel

oder Olga und die Schneegänse


Quelle - National Geographic - Russian Refuge map

Die Wrangelinsel (russisch О́стров Вра́нгеля – Ostrow Wrangelja) ist eine Insel im Arktischen Ozean und gehört zu Russland.
2004 wurde ihre Landschaft von der UNESCO zum nördlichsten Weltnaturerbe erklärt und in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen. Bereits seit 1976 existierte das „Naturreservat Wrangelinsel“ [Quelle Wikipedia]. Wir gehören zu dem kleinen Kreis von Entdeckern, die jemals einen Fuß auf diese Insel setzen werden.

Mehr als 400 Sorten von Wildpflanzen gedeihen auf Wrangelinsel, das ist mehr als das Doppelte vergleichbar mit anderen Gebieten in der Arktis. Der Sommer ist so kurz, daß die Blumen explosionsartig schnell wachsen, so dass die Tundra mit einem unvorstellbar schönen und farbenfrohen Blütenmeer übersät ist. Die meisten dieser Pflanzen werden wegen des Permafrosts und des nur geringen Wassergehalts im Boden nur wenige Zentimeter hoch. 

Auf der Wrangelinsel leben u. a. Eisbären, Moschusochsen, Robben und Walrosse. Zur artenreichen Vogelwelt (besonders Seevögel) gehören die Eiderente, die Schneegans, der Kormoran, die Ringelgans, der Steinwälzer und die Zwergschneegänse. BirdLife International weist die Wrangel-Inseln deshalb als Important Bird Area (RU082) aus. 

Obwohl ihre Gebirgswelt bis zu 1.096 m über den Meeresspiegel aufragt (Herald-Insel bis zu 364 m) und die Wrangelinsel im Winter völlig von Treibeisschollen eingeschlossen wird, ist das Land nicht vergletschert. Allerdings ist die Insel, die etwa 500 bis 600 km jenseits des Nördlichen Polarkreises und etwa 2.000 km vom Nordpol entfernt ist, nicht nur in der Polarnacht des Winters von einer teils dicken Schneedecke überzogen. Die sich nördlich anschließende polare Packeisgrenze ist in dieser Gegend in der Regel nur etwa 100 bis 200 km entfernt. Daher kommt es vor, dass die Wrangelinsel selbst im Sommer nur schwer erreichbar ist, wenn sie von dicken Treibeisschollen umschlossen wird [Quelle Wikipedia].


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Die 19.08.14- Somnitelya/ Wrangelinsel 10-13 h (Anker), Kap Blossom / Wrangelinsel 16-19 h (Anker)
09.00 h Kapitänsdurchsage: Unsere momentane Position lautet: 70°47'N 179°47'W, Kurs 320°, 14 Knoten, seit Kap Vankarem haben wir 195 sm hinter uns gebracht, Restdistanz 20 sm. In 1 Stunde kommen wir an und treffen die Ranger, die uns zwei Tage hier begleiten werden. Zur Zeit 3 sm Sicht, 8° Außentemperatur, Wasser 7°, 1010 hPa, Wind SW2, o,5 m Welle und ums Schiff sehen Sie immer wieder Walrösser schwimmen. Um 09.40 h scherzt er, man würde jetzt auf Backbord den 180. Längengrad sehen. Um 10.00 h sehen wir schon die Ranger am Strand stehen. Nachdem der Sicherheitsoffizier und der Expeditionsleiter mit dem Scoutboot die Lage gecheckt haben, steht unserem Landgang nichts mehr im Wege.  

Wir wandern durch die Tundra und sind begeistert von der Farbvielfalt der Blumen und Flechten, die besonders gehäuft um die Rangerstation angesiedelt sind. Besonders um die alten Wehrmachtsfässer und den anderen Schrott wachsen sie besonders gut. Durch das abgegebene Eisen und die gespeicherte Wärme der Fässer gedeihen sie sehr gut, wie uns Steffen Graupner im Thema „Schrott“, das keiner seiner Kollegen halten wollte, in einem Recap mitteilte. Dann dürfen wir nicht weiter, um die Schneegänse in der Ferne nicht zu stören, die sich ihre Reise vorbereiten. Franz Gingele fand eine Woolibear Raupe (Wikipedia engl.), die sich auf seiner Hand erst einmal tot stellt. Die Halsband-Lemminge laufen so schnell, daß keine guten Aufnahmen zustande kommen.   

Ein echter Mammutzahn - die Vergangenheit holt mich ein
Ein Mammutzahn läßt uns in die Vergangenheit reisen. Fossilienfunde belegen, dass auf der Wrangelinsel noch bis etwa 1700 v. Chr. das zwergwüchsige, zottige Wollhaarmammut lebte. Die bis vor etwa 12.000 Jahren auf Grund des niedrigeren Meeresspiegels mit dem nordostasiatischen Festland verbundene Insel stellte eines der letzten Rückzugsgebiete des Wollhaarmammuts während des Holozäns dar.

Olga lockt einen Lemming hervor
Zurück in der Siedlung stellt uns Steffen Graupner die Rangerin Olga Starova vor, die gerade versucht einen Lemming aus einem Fass zu locken, damit wir ein schönes Foto mit ihm schießen können. Um 13.30 h verlassen wir die Somitelya mit Kurs auf Kap Blossom in 32 sm Entfernung.

Als wir in dichtes Eis kommen, sehen wir jede Menge Eisbären, zwei davon sehr nah am Schiff, das haben die meisten so noch nie erlebt. Die Zeit vergeht im Fluge, so daß wir erst eine Stunde später am Ankerplatz vor Kap Blossom ankommen. 

Der Strand ist überströmt von toten Meerseespinnen


Unsere zweite Anlandung dort überrascht uns mit tausenden toten Krabben, es handelt sich um Meerseespinnen, die hier angespült worden sind und den Strand übersäen. Knochen, die von Jugendlichen auf der vorherigen Reise in den von ihnen gedachten Formen zusammengelegt worden, sind auf dieser Reise ebenfalls ein Fotomotiv. bei der Weiterfahrt am Nachmittag sehen wir ein paar Mal Walrösser auf Eisschollen. Um 18.55 h Kapitänsdurchsage: Wir haben hier einen ruhigen Ankerplatz. Morgen früh um 06.00 h nehmen Kurs auf Kap Florence - Entfernung 29 sm, werden dann gegen 08.00 h dort sein. Bei einem Tschuktschen Abendessen mit dem Experten Steffen Graupner und der Biologin Olga, erfahren wir mehr über Olgas Projekt mit den Schneegänsen auf der Wrangelinsel. Nach dem Abendessen findet noch ein Recap / Precap statt, bei dem Olga vorgestellt wird und unser Agent Sergey Frolov, der uns die ganze Reise begleiten wird. Die Nordostpassage wird schon seit 6 Jahren vorbereitet. Franz berichtet über die Polygone, den Frostmusterboden. Wetterdaten 06.00 h: 7,5°, 7,7°, 1009,5 hPa, 88%, SW2, bedeckt.

Mi 20.08. 10.00 h Kap Florence / Wrangelinsel, Kap Fomui / Wrangelinsel - beides scheitert wegen der Eislage
Auch heute verhindert ein dicker Eisgürtel und zusätzlich dicker Nebel mit unter 0,5 sm Sicht unsere Anlandung am Kap Florence. Nur mit Schleichfahrt wühlen wir uns durch das Eis und etliche Eisbären an Land begünstigen das Anlanden auch nicht. 

Mein Glücksshot :)
Unser zweites Ziel Kap Fomui scheitert leider ebenfalls, wird aber durch Walrösser auf einer Eisscholle wieder wettgemacht. Nur wenigen gelingt ein Foto davon, da gerade ein Recap stattfindet, das ich versäumt habe. Aber dafür habe ich das tolle Foto ohne Nebel. Am heutigen Tag sehen wir Eisbären und Walrösser ohne Ende. Während des klassischen Konzertes am Abend stoppt die Hanse auf und wir geben unsere Ranger wieder auf der Wrangelinsel ab. 

Foto Olga Starova by Steffen Graupner
Olga und die Schneegänse 
Die 27-jährige Olga Starova kommt gebürtig aus Brjansk nahe der russischen Grenze und lebt jetzt bei ihren Eltern in der Stadt Perm. Perm (russisch Пермь) ist eine Stadt in Russland mit 991.162 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010). Die Stadt liegt im Uralvorland an der Kama, etwa 1150 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Moskau. Nach der Schule studierte sie Biologie, inspiriert von  Igor Shpilenok, dem Vorreiter der sowjetischen Naturschutzbewegung und Gründer des Bryansky Naturreservervats und dem Buch seiner langjährigen Freundin Laura L. Williams - Autorin des Buches "The Storks' Nest: Life and Love in the Russian Countryside".
Nach Ihrem Studium ging sie gleich auf die Wrangelinsel, auf der sie sich in diesem Jahr zum zweiten Mal arbeitet, um das Leben der seltenen Schneegänse zu erforschen. Diese Brutkolonie ist besonders schützenswert, da sie die einzige in Asien ist. Im Winter arbeiten auf der Station 12 Ranger, die im Sommer Gesellschaft von 8 Wissenschaftlern bekommen. 

Foto Lemming by Steffen Graupner
Schon seit dem März verbringt sie ihre Zeit auf der Insel, obwohl die Gänse erst im Mai ihr Brutrevier auf der Insel aufsuchen. Männchen und Weibchen schließen sich auf Lebenszeit zusammen. In ihrem gesamten Fortpflanzungszyklus ist die Schneegans auf den kurzen arktischen Sommer eingestellt. Die Brutsaison beginnt wegen des arktischen Sommerklimas erst etwa Ende Mai. Die Tiere treffen schon fest verpaart am Zielort ein und beginnen sofort mit dem Bau der Nester. Ihr Fortpflanzungsdrang ist zu dem Zeitpunkt so hoch, dass sie nicht selten schon Eier an der Küste auf dem Weg zu den Brutplätzen ablegen. 

Foto Olga Starova - Schneegans beim Nestbau

Foto Olga Starova - Gemütliches Nest
Während der Brutzeit in der Tundra verbringt Olga die Zeit in kleinen Hütten, die verstreut überall auf der Insel stehen, begleitet von 1-2 Rangern und immer nur bewaffnet mit einem kleinen Holzknüppel. Die Brutzeit dauert 6-8 Wochen. Große Teile der Population nutzen feste Brutplätze. Auf der sibirischen Wrangelinsel ist die Hauptkolonie beispielsweise eine trockene, von Bergen Umgebung Niederung, die etwa 20 Kilometer von der Küste entfernt liegt. Durch diese Niederung verlaufen der Oberlauf des Flusses Tundrawoja sowie einige kleinere Bäche. Die 13 × 14 Kilometer große Niederung ist verhältnismäßig windgeschützt und von kleinen Grasflächen durchsetzt. In diesem Jahr beobachtete Olga einige tausend Gänse. Die Population der Gänse hängt mit der Population der Lemminge zusammen. Gibt es viele Lemminge, gibt es dementsprechend viel Fuchsjunge. Wenn es wenige Lemminge gibt, dann jagen die Füchse die Schneegänse. Aus dem Grunde brüten die Gänse gerne in der Nähe von den Schnee-Eulen. 

Polarfuchs by Steffen Graupner
Wenn die Küken größer sind, wandern sie ins Landesinnere zu der Niederung. Die Küken können noch nicht fliegen, an den Seen und Lagunen gehen sie auf Futtersuche. Ende August dann geht es für sie dann auf ihre erste große Reise in Richtung Kalifornien oder auch nach Mexiko. Ein paar Tage nach unserer Weiterfahrt wanderten die Gänse in Richtung Meer und flogen davon.


Foto Olga Starova - Junge Schnee-Eulen mit Lemmingen schön warm und immer etwas zu fressen




Danke an Steffen und Olga für die Fotos und die interessanten Einblicke in das Leben auf der Wrangelinsel und das der Schneegänse. 
 
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag 
© Constanze Hoffmann


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