Sonntag, 5. Oktober 2014

Nordostpassage dritter Teil

- Oma Olja oder von der Ajon Insel zur nördlichsten Position
Bildquelle Hapag Lloyd Kreuzfahrten GmbH


Reisen veredelt den Geist und räumt mit unseren Vorurteilen auf.
Oscar Wilde (1854 - 1900)
 


Das Haus der Tschuktschen nennt man Jaranga (tschuktsch. яраӈа „Haus“)

Do 21.08.2014 Ajon Insel
Die Ankunft an dieser Insel ist eine Premiere Anlandung der Hanse. Am Vormittag gibt es einen Vortrag über den legendären Seeweg, den wir nun allerdings andersherum erkunden. Wir fühlen uns ein wenig wie Entdecker. Nach einem leckeren asiatischen Büfett, landen wir am Nachmittag an der Ajon Insel an. Es gibt eine Art Kolonialwarenladen wie mein Opa Heini einen hatte. 
Eine typische Jaranga steht im Ort, in der Oma Olja, eine ältere Dame lebt, die nicht ganz genau weiß, wie alt sie ist und die uns die Vorzüge des Lebens in einer Jaranga zu dem Leben in „modernen“ Häusern zeigen möchte. In einem der Räume der Schule wurde ein Museum untergebracht.

© Foto Steffen Graupner
© Auszug des Textes von Steffen Graupner, Lektor für Landeskunde und Geowissenschaften
Zart rotglühend glimmt ein winziger Punkt im Dunkel der Jaranga, bewegt sich von Zeit zu Zeit wie ein schlaftrunkenes Glühwürmchen, hält für Sekunden inne, nimmt dann wieder Fahrt auf, verharrt, vergrößert seinen Lichtschein und wird heller und leuchtend orange, nur um dann wieder in ein schwaches Rot zu verblassen und in der Dunkelheit fast ganz zu verschwinden. Es ist das einzige für mich sichtbare Zeichen von Leben, hinten rechts in der Jaranga.
Als sich meine Augen ein wenig an das Dunkel des Wohnzeltes der Tschuktschen angepasst haben, kann ich erkennen, dass das „Glühwürmchen“ keineswegs ein Eigenleben führt, sondern der sicheren Hand von Oma Olga gehorcht, die genussvoll an ihrer Zigarette zieht, den Rauch einatmet und beim Ausatmen den Tschottagin in weiße Wolken hüllt. Obwohl die Raucherin längst gebrechlich und schwerhörig ist, sind ihre Hände doch kraftvoll und sehnig und führen die Zigarette mit Bestimmtheit. Es sind Hände, die über und über von Falten überzogen sind. Schöne Hände, so, wie Menschen sie sich nur in einem langen Leben voll schwerer, ehrlicher, selbstbestimmter Arbeit in der Tundra erwerben können. Von dieser Arbeit und ihrem Leben erzählt uns Oma Olga, nachdem ihr Enkel Wanja ein Holzfeuerchen entzündet und den Teekessel darüberhängt hat, seiner Grossmutter den die Alten ehrenden zustehenden besten Platz der Jaranga mit weichen Kissen bereitet, die Gäste bewirtet und dann seiner Oma Olja, zärtliche Koseform für Olga, die Fragen der Gäste laut ins Ohrgesprochen hat.

Oma Olja wurde in der Jaranga geboren. Wann, das kann sie so genau nicht sagen. Aber das es die Jaranga war, weiss sie ganz genau. Anders kann es nicht sein. Nicht damals. Damals, als das Leben der Tschuktschen noch fast unverändert war von unserer Zivilisation. Die Jaranga ist die Wohnstatt der Tschuktschen draussen in der Tundra. Fünf bis sechs Meter im Durchmesser werden von einem Holzgerüst aufgespannt, darüber kommt eine „Zeltplane“ aus Dutzenden zusammengenähter Rentierfelle. In der Mitte der Jaranga brennt ein kleines Feuerchen, auf dem gekocht wird, der Rauch entweicht an der Decke durch einen kleinen Abzug. Die Jaranga besteht aus zwei Räumen, dem Tschottagin und dem Polog. Im Tschottagin, dem „kalten Raum“ findet das tägliche Leben statt, die Hausarbeit, das Kochen und Essen. Im Polog, dem warmen Raum, wird geschlafen. Der Polog wird im hinteren Teil der Jaranga errichtet, besteht aus einer Lage von vier dicken Winterfellen der Rentiere, um die ein dichter Vorhang aus Rentierfellen gehängt wird. Wenn es in der Tundra im Winter bei -40°C stürmt und schneit, dann sind es im Polog durch die gute Isolation der Rentierfelle und durch die Eigenwärme der Bewohner immer noch kuschelige +20°C. Hier wurde Oma Olja geboren, irgendwo in der Tundra.

Zeit ihres Lebens war Olja die Frau eines Rentierzüchters, ist mit ihm im Rhythmus der Jahreszeiten mit der Jaranga den Weideplätzen der Rentiere hinterhergezogen. Oma Oljas Jaranga steht heute direkt hinter dem Dorf – sie hat sie vor einer Woche als Fest-Jaranga aufbauen lassen, als sich die Rentierhirten hier zum alljährlichen „Fest der jungen Rene“ versammelt hatten. Für die Ankunft der MS Hanseatic auf der Insel Ajon hat sie die Jaranga stehen lassen, um uns ihr traditionelles Leben zeigen zu können. Voll Stolz berichtet Oma Olja davon, wie gut es sich in der Jaranga lebt. Und davon, dass natürlich Krankenhaus und Dorfladen auch nicht zu verachten sind als Errungenschaften der neuen Zeit. Und vor allem berichtet Oma Olja, wie glücklich sie ist, dass ihre Enkel nun weitgehend selbstbestimmt entscheiden können, wie sie ihr Leben gestalten mit dem bestbewährten aus der alten Zeit und dem Besten aus der neuen Zeit.

So läßt es sich aushalten - Impression der Ajon Insel


Wir haben jetzt dank Oma Olja und durch die Vorträge von unserem Experten Steffen einen Einblick in die Lebensweise der Tschuktschen bekommen. Um 20.00 h verlassen wir die Insel mit Kurs auf die Medvezhi Inseln – Entfernung 118 sm. Heute findet wieder ein Recap / Precap statt mit Vorschau auf die nächsten Tage - vormittags fahren wir zur Chetyryokhstolbovoy Insel, am Mittag dann zur Kreuzinsel (Krestovskiy Insel), wie es dann weitergeht? Wetter und Eis bestimmen die Route. Geplant sind die Neusibirischen Inseln in 445 sm, so daß nach den Medvezhi Inseln ein Seetag anfällt. 

Die Medvezhy Inseln - Bildquelle Wikipedia
Die Medvezhiy Inseln wurden 1710 von Jakow Permjakow im Rahmen einer Expedition von der Lenamündung zur Kolyma entdeckt.
Während einer von 1820 bis 1824 dauernden Expedition Ferdinand von Wrangels durch die Ostsibirische See und die Tschuktschensee, befuhr der Arktisforscher Fjodor Matjuschkin die Medweschji-Inseln und kartografierte diese.
Auch Adolf Erik Nordenskiöld sichtete die Inseln auf seiner Fahrt durch die Nordostpassage [Quelle Wikipedia].


Fr 22.08. Chetyryokhstolbovoy Insel 07.30-11.30 h (Anker), Krestovskiy Insel 15-18 h (Anker)
Am Morgen auf der Insel mit dem unaussprechlichen Namen müssen erst die Hütten auf Eisbären gecheckt werden. Was gab es zu entdecken? Eine verlassene Wetterstation, jede Menge "Fassbären", verrostete Fässer und anderer Schrott, der mich immer wieder zu Fotos animiert. Außerdem begeistern uns an die Moai auf der Osterinsel erinnernde Felsformationen aus Granit, deren höchster Felsen immerhin 30 Meter misst. Um 11.30 h nehmen wir Kurs auf die Kreuzinsel in 52 sm, die wir um 15.45 h erreichen. Dort ist trotz der entfernten Eisbärensichtung eine Tundrawanderung möglich. Wir sehen einen Polarfuchs, leider nur tot, eine Woolibär Raupe und eine Eisbärenhöhle. 

"Fassbären"
Vor dem Recap / Precap stellt Kapitän Natke unseren Ice Piloten aus Murmansk vor, der auch Dozent an einer Uni ist. Steffen erzählt über die Vorzüge des Schrottes. Wussten Sie, daß dieser die kleinen Pflänzchen mit Eisen und Wärme versorgt? Das erklärt, warum so viele gerade in der Nähe der Fässer wachsen. Außerdem erklärt er, daß die Tschuktschen sehr wortkarg sind. Als Beispiel eine Begrüßung an der Jaranga. Der Wanderer kommt an der Jaranga an und sagt: Jettik!! Als Antwort erklingt dann ein Jiiiiiech!! Übersetzt sagt der Wanderer: Angekommen, als Antwort kommt aus dem Zelt nur ein: Jaaaaa!

Passend zur Gegend findet heute ein Vitus Bering Abendessen statt. Heute müssen wir die Uhren um eine Stunde vorstellen. Wetterdaten 6.00 h: 5,5°, 3°, 1010 hPa, 88%, O4, blauer Himmel, SA 04:39 h, SU 21:21 h.  


Sa 23.08. Seetag – Kurs Neusibirische Inseln
9:00 h Durchsage des Kapitäns: Unsere Position 72°31’N 151°31’O im Ostsibirischen Meer, 200 sm seit der Kreuzinsel, Restdistanz 215 sm, westlicher Kurs mit 296°, 40 sm auf Backbord liegt das Russische Festland. Ein einzelner kleiner Eisberg wurde gesichtet, das ist sehr ungewöhnlich, aber wohl durch die Strömung gekommen. Vorträge bestimmen meinen Tagesablauf, sowie das Schreiben und Fotos sichten. Sylvia Stevens erzählt in ihrem Vortrag über die Natur in der Tundra und Brigitte Fugger erfreut uns mit ihrer Ausführung über Eisbären und auch Hybridbären. Wir erfahren beim Recap, daß uns die Erlaubnis für Franz Josef Land trotz der Bemühungen des Agenten entzogen wurde. Natürlich geht ein Raunen durch die Lounge. Kapitän klärt die Lage auf und sagt, es hätte unter den Umständen ja auch eine Nordwestpassage werden können. Und daß die Inseln ironischerweise bis auf den Süden in dickem Eis liegen. In der aktuellen Eiskarte gebe es einen tiefen Einschnitt ins Eis, der bis ca. 84° in den Norden reicht. Da wir durch Ausfall Franz Josef Lands 5 Tage gespart haben, haben wir genügend Zeit, soweit zur Eiskante hinauffahren wie möglich und wieder zurück. Die Gäste sind begeistert und applaudieren. Das wäre die nördlichste Position, die je ein konventionell betriebenes Kreuzfahrtschiff erreicht hätte. Hajo Spitzenberger, unser Expeditionsleiter, erläutert den weiteren Routenplan, erzählt Wissenswertes über die Neusibirischen Inseln und das sagenumwobene Sannikov Land. Auf den Neusibirischen Inseln wurden zahlreiche Knochenfunde von Mammuts, Nashörnern und Flusspferden entdeckt, sie sind paläontologisch sehr wichtig. Im Jahre 2007 wurde ein sehr gut erhaltenes Mammutbaby von geschätzten 6 Monaten gefunden. (>> Hier geht es zu einem Link von spiegel.de). >> hier die Fotostrecke.
Hier ließ im Jahre 1893 der Forscher Fridtjof Nansen sein Schiff einfrieren, um Mithilfe der natürlichen Eisdrift des Arktischen Ozeans den geografischen Nordpol zu erreichen. Noch heute sind die Inseln kaum erforscht und bis auf die Forscher einiger Wetterstationen unbewohnt. So erwartete uns eine unberührte arktische Tundra, ein ursprünglicher Lebensraum von Rentieren, Wölfen, Schneehühnern und Lemmingen.

 
Karte von M. Gorjunow von 1906

Am nächsten Tag wollen wir die Sannikov Polarstation auf der Kotelny Insel besuchen. Am Abend stellen Kapitän Natke und Trixi, unsere Cruise-Sales, die Antarktis vor: Traumziel Antarktis in der Explorer Lounge. Wetterdaten: 4°, 1,5°, 1018,5 hPa, 92%, NW5, bedeckt, SA 4:51 h, SU 23:14 h. 

So 24.08. Expeditionstag – Sannikov Station – keine Anlandung, Belkovsky Insel 15-18 h (Anker)
Um 05.45 h werden wir durch das Kratzen des Eises am Schiffsrumpf geweckt. Ein kurzer Blick hinaus und ich hüpfe lieber wieder in die warme Koje. Um 07.15 h kratzt und weckt uns das zweite dickere Eisfeld. Hajo informiert uns um 08.30 h, daß wegen des breiten Eisgürtels vor der Sannikov Station keine Anlandung dort möglich ist. So nehmen wir Kurs auf die Delong Inseln. 09.00 h Kapitän s Durchsage: Er ergänzt die Durchsage von Hajo, daß nur 3 m Tiefe bis 2,5 sm vor der Station herrschen. Position 74°38’N 138°48’O, etwa auf der Höhe der Diskobucht auf Grönland, westlicher Kurs auf die Belkovsky Inseln in 85 sm. Seit Nome in Alaska haben wir laut dem Navigationsoffizier 1925 sm hinter uns gebracht. Zurzeit fahren wir reduzierte Geschwindigkeit und werden später, wenn es eisfrei wird wieder mit 14 Knoten weiterfahren. Franz hält um 10.00 h den Vortrag – Riesen der Eiszeit. Am Nachmittag um 15.15 h werfen wir den Anker vor Belikov 1, so steht es auf der Tafel des Expeditionsleiters Hajo. Wir staunen über die faszinierende Geologie der Belkovsky Insel mit ihren unzähligen Schieferplatten. 



Um 18.00 h Anker hoch mit Kurs auf die Bennett Insel nördlich der Neusibirischen Inseln, dort wollen wir am späten Nachmittag ausbooten. Es gibt evtl. einige Eisfelder in der Nacht.
Interessante Themen im Recap/ Precap: Die Delong Inseln nach George Washington Delong 1844 – 1881, er wollte mit seinem Schiff Jeannette zum Nordpol. Am 8. Juli 1879 brach er in San Francisco (Vereinigte Staaten) mit dem Schiff Jeannette und 32 Mann Besatzung zu einer von dem Verleger James Gordon Bennett Jr. finanzierten Nordpolarexpedition zur Klärung des Schicksals des von Adolf Erik Freiherr von Nordenskiöld genutzten und vermissten Schiffs Vega auf. Nach einem Zwischenstopp in Alaska passierte er am 29. August 1879 die Beringstraße und erreichte die Tschuktschenhalbinsel. Hier erfuhr DeLong, dass die Vega nach geglückter Überwinterung ihre Fahrt fortgesetzt hatte. Daraufhin fasste er den Entschluss, mit der Jeannette den Nordpol zu erreichen (Quelle Wikipedia).

Eduard von Toll, der 1902 südlich der Bennett Insel mit samt Schiff und Crew verscholl. Eine spätere Rettungsexpedition, die von Alexander Koltschak geleitet wurde, fand zwar die Tagebücher und wissenschaftlichen Sammlungen der Sarja-Expedition; Toll und seine Crew blieben aber verschollen.
Nach Toll sind Berge auf Nowaja Semlja und der Bennett-Insel ebenso benannt wie eine Bucht der Taimyrhalbinsel und ein Kap auf der Insel Zirkul (Циркуль). Weiters trägt ein Plateau auf Kotelny seinen Namen [Quelle Wikipedia].

Fridtjof Nansen mit der Fram zum Nordpol, von Franz Josef Land nach Spitzbergen im Eis gedriftet, dort war er wieder frei. In seiner Tätigkeit als Polarforscher durchquerte er 1888 als Erster Grönland über das Inlandeis und stellte während seiner Nordpolarexpedition (1893–1896) gemeinsam mit Fredrik Hjalmar Johansen am 8. April 1895 mit einer geographischen Breite von 86° 13,6′ N einen neuen Rekord in der bis dahin größten erreichten Annäherung an den geographischen Nordpol auf [Quelle Wikipedia]. 

Steffen erzählt mehr vom Sannikov Land, er hat mir auf das Foto der obigen Karte gegeben. Auch Toll sah das Sannikov Land, war es eine Spiegelung. Oder ist die Insel wieder versunken, weil sie so flach war? Viele Mythen ranken um diese Insel.

Biologin Brigitte berichtet über die Wurmflechten auch Leichenfinger (siehe Foto oben) genannt, sowie mikrobiologische Krusten und Flechten, die hier wachsen. Franz erstaunt uns mit Steinen und fossilen Pflanzen, deren Samen im Magen eines Tieres 33.000 Jahre im Permafrostboden eingefroren war. Nach dem Auftauen wuchs die Pflanze wieder. Hajo läßt die Route Revue passieren und erläutert die neuen Destinationen, von den Kotelny Inseln über unsere gescheiterte Anlandung auf der Delong Insel. Auf der Belkovskiy Insel benannte er eine Bucht in Thilo nach unserem Kapitän. Morgen erreichen wir dann die Bennett Insel, danach geht es für uns gen Norden auf vielleicht 85°? Wir erreichen die neusibirischen Inseln, haben kein Internet und keinen Satelliten Empfang, selbst der Kapitän bekommt die Infos nur noch über ein sehr langsames Einwahlverfahren. Es liegt an der Erdkrümmung, wir befinden nördlicher als Spitzbergen und selbst als Franz Josef Land. Wetterdaten 6.00 h: 4,5°, 1°, 1012 hPa, 88%, SO4, bedeckt, SA 04:12 h, SU 23:28 h.
Mo 25.08. Bennett Insel / Neusibirische Insel Unser nächstes Ziel die Bennett Insel umrunden wir mit den drei Kaps mit folgenden Frauennamen: Das östliche heißt Emmelin, fahren in Richtung des im Westen liegenden Kaps Emma, um einen Ankerplatz zu suchen. Das dritte südliche wurde nach Sophia genannt. Seit 1902 hat kein bekannter Mensch, den Fuß auf diese Insel gesetzt. Der letzte war wohl der hier mit Schiff und Crew verschollenen Eduard von Toll. Am Strand sehen wir einige Thors- und Odinshühnchen. Wir finden Skuagewölle, sehen verschiedene Quarze, 2 Lavabomben mit Einschlüssen und diverse Moose und Flechten. Am Strand liegen zwei Walrösser, von den Gästen verdeckt, schön anzusehen mit den Nordostpassagen Parkas. 

Die Walrösser kann ich aber gut „einfangen“, als sie ins Wasser flüchten, da ich mich ebenfalls ins kühle Nass bewege. Um 16.30 h nehmen wir Kurs Nord auf die Eisgrenze, morgen haben wir einen Seetag und etwa 470 sm vor uns. Recap/ Precap: Brigitte hat unser Skuagewölle auseinander genommen, es waren nur Vogelknochen darin. Franz zeigt uns Fotos einer Asselspinne, einer Pantopode - übersetzt nur Beine. Vor uns liegen 2 Seetage, dann fahren wir weiter zur Taimyrhalbinsel, zum Kap Tscheljuskin und zur Sewernaja Semlja. Am Abend geben die Kaljushnvs und die Glorious Four ein Konzert: Sing, sing, sing von Gershwin bis Goodman. Wetterdaten 6.00h: 3°, 2°, 1005,5 hPa, 95%, SO4, bedeckt, SA 03:15 h, SU 22:42 h, Uhr eine Stunde zurückstellen. 
 
Die 26.08. Seetag
Heute gibt es Vorträge und genügend Zeit zu Schreiben und Foto zu sichten. 9.00 h Kapitänsdurchsage: Position 80°26’N 145°15’O. Wir erreichen die nördliche Eisgrenze etwa gegen 8.00 h morgens, fahren Nordkurs mit 345°, seit der Bennett Insel haben wir 237 sm hinter uns gebracht, 14 Knoten, Ozeantiefe von 500 – mehr als 1000 m im Lemonossow Bassin. Wetter heute: 3°, 2°, 995 hPa, SW4, Welle 1-1,5 m. Um 10.00 h Christine mit dem Vortrag – 90° Mit einem Eisbrecher zum Nordpol. Gegen 11.00 h sehen wir, daß wir schon unsere nördlichste Position von 81°06’N unserer Spitzbergen Tour übertroffen haben. Um 16.45 h hält Sylvia den Vortrag: „Die Seevögel – ständige Begleiter im Wind“. SA 03:57 h, SU 22:41 h. 


An der Eiskante entlang

Mi 27.08. Nördlichste Position 85°41‘N
Bereits um 06.00 h überqueren wir den 85. Breitengrad. Die Eisgrenze ist als heller Schein in der Ferne auszumachen. Die globale Erwärmung hat uns eine extrem in Richtung Nordpol reichende Zunge ins Polareis geschnitten, die uns um 10.00h die nördlichste Zodiactour auf sagenhaften 85°41’N ermöglicht. Kapitän läßt das Horn ertönen. Es ist der Tag des nördlichsten Geburtstages, Glühweines, was auch immer. 

Die seltene Rosenmöwe
Wir können die seltenen Rosenmöwen mit ihren rosafarbenen Bäuchlein beobachten, die immer wieder neugierig um unsere Zodiacs fliegen. Die nördlichste Position, die je ein konventionell betriebenes Kreuzfahrtschiff erreicht hat, feiern wir mit einer Pølserparty an Deck. Unser Kapitän macht Meldung an die Hapag und der Rekord wird in der Presse bekannt. Einen etwas komischen Beigeschmack hat das Ganze, wenn man bedenkt, unter welchen schwierigen Bedingungen die Entdecker damals zu kämpfen hatten. Nansen war damals zu Fuß unterwegs und mußte bei 86°633’N umkehren. Wir sind nur noch 259 sm bzw. 480 km vom Nordpol entfernt. Ich versuche nach der Pølserparty ein wenig zu schlafen, aber meine schwirrenden Gedanken lassen mich nicht zur Ruhe kommen. Ich schreibe oben in der Observation Lounge. Die nördliche Eiskante liegt jetzt hinter uns. Ich kann immer noch nicht glauben, daß wir so weit nördlich unterwegs waren. Auf der Brücke erfahre ich, daß der Forschungseisbrecher Nordstern sich zur Zeit am Nordpol befindet.

Beim Recap: Der Kapitän erklärt, es gibt nur wenige Stellen an denen Eisbrecher, den Nordpol erreichen können, an der Ostküste Grönlands geht es zum Beispiel gar nicht. Er sagt, daß der Eisbrecher Nordstern vorher schon zweimal hier war. Das Thema Eisdrift wird behandelt, welche Schiffe den Nordpol erreichten. Warum gibt es eine so große eisfreie Zunge hier oben? Liegt es am flachen Wasser des Lomonossow Rückens? Die Breite des Rückens schwankt zwischen 60 und 200 km. Er ragt 3300 bis 3700 m über den Meeresgrund auf. Die geringste Tiefe des Rückens beträgt 954 m. Der Lomonossow-Rücken wurde im Jahr 1948 von einer sowjetischen Expedition entdeckt und nach Michail Lomonossow benannt.[Quelle Wikipedia].
Heute Abend sehen wir den russischen Film "Kak ja prowel etim letom" – Wie ich diesen Sommer verbrachte - mit englischen Untertiteln. (How I ended this summer - official HD trailer - YouTube). Die Sonne geht die nächsten zwei Tage nicht mehr unter. 



Do 28.08. Seetag mit Kurs auf die Taimyrhalbinsel
9.00 h Durchsage des Kapitäns: 294 sm seit unserer nördlichsten Position, jetzige Position lautet 81°18’N 125°2’O nördlich von Spitzbergen und Franz Josef Land Kurs 180°, auf Steuerbord liegt die Eiskante, Wetter: Nebel, später Sonnenschein, zum Kap Tscheljuskin, das wir voraussichtlich morgen früh erreichen werden, sind es noch 315 sm. Sicht ca. 10 sm, 1°, 0°, 1016 hPa steigend, NNW2-3, Dünung 1m, rutschig an Oberdeck. Um 10.00 h Franz mit „Meereis – Süd und Nord“. Die Pressemitteilung der Hapag liegt aus. Wir machen heute einen Brückenworkshop, Frauke, Security Officer und 2. Navi, erläutert uns den Ablauf und die Planung einer Route. Wie schon in naher Vergangenheit werden Fragen nach dem Unfall der Costa Concordia gestellt, diesmal war es dann einmal nicht die Titanic. Christine hält einen Vortrag über den Forschungseisbrecher Polarstern – Expedition in den Tag ohne Nacht. Recap / Precap: Franz spricht über Eisbrecher, welche Länder Eisbrecher haben und über den Bedarf. Wir erfahren von Hajo den geplanten Routenverlauf der nächsten Tage: zu den Sewernaja Semlja sind es 4 Tage, auf der Taimyrhalbinsel eine Anlandung geplant am Kap Tscheljuskin (Chelyskin), dem nördlichsten Punkt des Eurasischen Festlandes, über die Wilkizki Strasse zur Bukta Solnetschnaja. Dort gibt es Eisberge von den großen Gletschern. Dann kommt noch einmal die Frage zur nördlichsten Position und die Frage an David zu Nansens nördlichster Position mit 86°633’N. In der Explorer Lounge – Klassik trifft Pop, Alexander mit den Glorious Four. Die Sonne geht nicht unter, die Uhren müssen wieder eine Stunde zurückgestellt werden.  

Unionsverlag.com
So ein weiterer Break, danke Steffen Graupner für das Foto und den Text von Oma Olja! Es gibt ein interessantes Buch von Juri Rytchëu mit dem Titel: Der letzte Schamane, zu dessen neuesten Ausgabe Steffen das obige Coverfoto gestellt hat. 
 
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag 
© Constanze Hoffmann

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