Mittwoch, 25. März 2015

Kapverden Teil 3

- von den Kapverden nach Buenos Aires



Die letzten drei Tage brechen an, bevor es für mich auf die Atlantiküberquerung geht. Ich hatte mir viel vorgenommen, allerdings war das Programm auf diesen Seetagen so stramm gestrickt, daß ich jetzt mit dem Schreiben total hinterher hänge. I am so sorry! 

 

22.10. Calheta de Baixo / Maio 8.45 -12.00 h (Anker), Praia / Santiago 14.00 - Overnight (Pier)
Der Name Maio (dt.: "Mai") leitet sich ab vom Datum der Entdeckung am 1. Mai 1460. Wenig später wurden halbnomadische Hirtensklaven angesiedelt, die im Auftrag des portugiesischen Königshauses Fleischvieh und Häute produzierten, um die Sklavenschiffe von Cidade Velha zu versorgen. Im 16. Jahrhundert kam zur Viehwirtschaft der Anbau von Baumwolle hinzu und ein Teil der Bevölkerung wurde sesshaft. Fein gewobene Tücher (panos de Santiago) waren ein wertvolles Tauschgut in Kontinentalafrika und dienten vorwiegend dem Aufkauf weiterer Sklaven. Nachdem Santiago seine vorherrschende Position im 17. Jahrhundert verloren hatte, wurden die natürlichen Salinen ausgebaut und freie Siedler folgten. Zum Schutz vor Piratenangriffen und nicht zuletzt, um die den Salzhandel beherrschenden Engländer zu Steuerzahlungen bewegen zu können, errichtete die portugiesische Krone im Hauptort Vila do Maio (bis 1975 Porto Inglês) eine kleine Festung mit ein paar Kanonen [Quelle Wikipedia].

Ganz im Osten des Archipels, einsam und verschlafen, liegt Maio mit seinem kilometerlangen Strand. Unsere Überfahrt von Fogo nach Maio verlief ganz ruhig, dennoch müssen wir wegen zu hoher Dünung unseren geplanten Ankerplatz vor Vila do Maio (Porto Inglez) verlassen und einen anderen Ankerplatz suchen. In 7 sm liegt Calho de Baixo. Etliche Gäste gehen dort zum Baden an den Strand. Wir bleiben an Bord, da wir um 13.00 h schon weiter nach Santiago fahren. Am Nachmittag ankern wir vor Praia, ab 16.30 h können wir die Insel auf eigene Kappe erkunden. Um 18.00 h beginnt die Vorbereitung zur Ausschiffung der Gäste, die nicht mit uns nach Rio fahren. Wir gehen heute zum Barbecue auf das Lemairedeck. Um 21.30 h spielen Nataliel Simas and Band für uns kapverdische Klänge, es herrscht eine gute Stimmung in der Explorer Lounge. Wir klatschen und tanzen mit. Wetterdaten 6.00 h: 25°, 27°, 1017 hPa, 82%, N5, bewölkt, SA 6:26 h, SU 18:09 h.

Impressionen der Stadt Praia



23.10. Praia / Santiago bis 18.00 h (Pier)
Der erste Lehnsherr der Insel, Antonio da Noli, ließ 1460 eine winzige Garnison in Cidade Velha errichten, das damals noch Ribeira Grande genannt wurde. Durch Kreolisierung entstand die älteste kreolische Gesellschaft der Kolonialgeschichte mit Kreol als eigener Sprache. Der transkontinentale Sklavenhandel machte Cidade Velha im 16. Jh. für ein Jahrhundert zur zweitreichsten Stadt des portugiesischen Weltreichs. Portugal war jedoch nicht in der Lage, seine kolonialen Besitzungen ausreichend zu schützen. Engländer, Holländer, Franzosen und Spanier rissen den Sklavenhandel an sich und Santiago wurde mehrfach von Piraten überfallen.  Erwähnt wird unter anderm Sir Francis Drake, der am 9. November 1566 unter James Lovell als Offizier fuhr. Nach einem verheerenden Überfall durch Jacques Cassard im Jahr 1712 sank die Bedeutung von Cidade Velha und letztlich wurde die Hauptstadt auf das leichter zu verteidigende und gesündere Plateau von Praia verlegt. Cidade Velha gehört seit 2009 zum Weltkulturerbe. [Quelle Wikipedia].

Alle Ausflüge besuchen als erstes das Felsplateau über dem Hafen, wo sich die historischen Gebäude der Portugiesischen Kolonialzeit wie der Präsidentensitz, Kaserne, Gemüsemarkt und die Geschäftsstrassen befinden. Wir erfahren, daß es 5 verschiedene Autokennzeichen auf den Kapverden gibt - u.a. für Emigranten und Regierung. Anschliessend fahren wir auf einer neuen Strasse zum Fortezza Sao Filipe, das zum Schutz der unterhalb liegenden alten Stadt Cidade Velha, das Weltkulturerbe der Kapverden gebaut wurde. Von hier wurden die Kapverden besiedelt. Oben am Fort gelingt es mir endlich den Graukopfliest / Passarinha zu fotografieren, der mit seinem leuchtend roten Schnabel an den Eisvogel erinnert.

Graukopfliest
Unser nächster Stopp ist die alte Stadt Cidade Velha. Eine ältere Dame mit Krückstock sehen wir auf dem nächsten Stopp, mühsam erklimmt sie die Stufen zu der kleinen gotischen Kirche Nossa Senhora do Rosario hinauf, dem ersten Gebäude der Kapverden. Sie hat hier die Schlüsselgewalt. Anschließend machen wir einen Spaziergang durch die Rua de Banana, bevor wir den berühmten Pranger, dem Pelourinho, sehen. Unser Guide ist eine englisch sprechende hübsche Dame, die uns während der Busfahrt so manche schöne Weise gesungen hat. Heute ist Farewellabend mit Abschiedscocktail und Abendessen, Kapitän Natke läßt die Reise Revue passieren. Später singt der Crew- Shantychor und die Souvenir-Seekarte wird versteigert sowie ein Crewkoffer nebst Inhalt verlost. Wetterdaten 06.00 h: 25°, 27°, 1017 hPa, 64%, N2, bewölkt, Sa 6:27 h, SU 18:09 h.

Impressionen vom Forte Real de São Filipe


Freitag 24.10. Palmeira / Sal 8.00 - 22.15 h (Pier)
Das Wetter ist schön, wir haben 26°. Die abreisenden Gäste können noch einen entspannten Tag an Bord verbringen, wer mag, kann am Strand baden gehen. Mittags findet der bayrische Frühschoppen statt. Die abreisenden Gäste verlassen uns um 15.00 h, ihr Nachtflug geht direkt nach München. Unsere neuen Gäste verspäten sich etwas, haben aber diesmal alle ihr Gepäck. Sie werden an Bord begrüßt und gleich ins Restaurant gelotst. Sie sind ziemlich platt durch Zeitverschiebung von 3 Stunden und viele sind schon seit morgens unterwegs. Kapitän Natke meldet sich von der Brücke weist auf die Seenotrettungsübung hin, die noch vor dem Auslaufen stattfindet. Um 22.15 h legen wir ab Kurs Südamerika mit Schiebewind aus NO - Entfernung nach Buenos Aires / Argentinien 3845 sm. Oben in der Observationlounge sehen wir einen "alten" Bekannten, den Pianisten Uwe Künstler.




Das Meer
Ich schaue Dir in Dein grollendes Gesicht,
Du schleuderst mir entgegen Deine Gischt.
Dabei kenne ich Dich ruhig und sanft,
wenn das Schiff 'mal nicht so stampft.
Du Meer, wenn mich die Sehnsucht quält,
dann merke ich, daß Du mir fehlst!
© Constanze Hoffmann

Sa 25.10. 1. Seetag
Was macht man an so vielen Seetagen? Pünktlich um 09.00 h kommt die Durchsage von der Brücke und der Kapitän gibt die nautischen Daten bekannt. Ich gebe wir immer mein Logbuch ab, die Grundlage für meinen Reiseblog. Um 10.30 h findet die Vorstellung der Reiseleitung und der Experten statt. Außerdem haben wir die Pianistin und Sängerin Freya Casey, die Schauspieler Hartmut Volle und Andrea Wolf, als Yogalehrerin die Trainerin Hilde Schiffer und eine Style Beraterin namens Riccarda Kräuter-Schächtele an Bord. Wir schmunzeln zuerst alle, eine Style Beraterin an Bord der Hanseatic, aber im Nachhinein hat wahnsinnig Spaß gemacht. Danke Riccarda! Um 11.30 findet der erste "Stylekurs" statt, mittags gibt es ein leckeres Fischbuffet, am Nachmittag lädt Hilde zum Yoga an Oberdeck. Um 16.45 h schauen wir uns den Vortrag über Wale an und am Abend lädt der Kapitän schon wieder zum Cocktail ein. 

Ich geniesse den zweiten Seetag und lasse Yoga Yoga sein und Style Style. Der Kapitän läßt Gastredner von der Crew die 9.00 Uhr Durchsagen machen, sehr lustig! nasche am Asiatischen Buffet. Und lausche dem Schauspielerehepaar Wolf und Volle, wie sie über das Thema Liebe spielen und singen.

Am Montag und Seetag III findet füt mich das erste Mal Yoga und der Stylekurs (meine Kurzform hier Style) statt, bei Style lernen wir Laufen und Sitzen in Perfektion. Um 12.00 h findet ein Jazzfrühschoppen in Restaurant und Küche statt, die Band um Lisa Ohm begleitet das Ganze. Hilde Schiffer spricht in einem Vortrag über das Bauchgefühl. Um 17.00 h gibt es einen Vortrag über Delfine. In der Observationlounge spielt Uwe Künstler ab 18.30 h in der Obsi Beatles Songs. Draußen im Warmen auf dem Pooldeck spielt die Band mit Sängerin Lisa Ohm.

Oh Gott, wir rammen den Äquator!!
Am Dienstag am 4. Seetag um 7.00 h überqueren wir den Äquator, um 9.00 h spricht die Durchsage wieder einen Gastredner der Crew im heimischen Dialekt. Verstanden habe ich nur die Hälfte und frage auf der Brücke nach. Dort gibt der Kapitän mir mein Logbuch zurück und wir verabreden uns für morgen zum Interview für meinen Blog. Um 10.00 ist wieder Style aber es ist eng, da Neptun um 11.00 h vorbeischaut. Es ist gut gemacht, Neptun und seine Gemahlin werden vom Schauspielerpaar dargestellt, auch Kapitän wird getauft. Zum Mittagessen heißt es Kulinarische Weltreise. Heute am Nachmittag treffen wir zum ersten Mal Gäste, die wir schon von einer Japantour kennen. Am Abend mediterranes Buffet und in der Explorerlounge - Chansons D'amour mit der Sängerin und Pianistin Freya. Heute erste Vogelsichtungen, am Vormittag ein Rotfußtölpel und am Nachmittag zwei Prachtfregattvögel, die den Boobies (anderer Name der Tölpel) die fliegenden Fische versuchen abzuluchsen. Heute etwas mehr Seegang und 25°, SO5, 87%. 

Am 5. Seetag erfahren wir, daß die Brasilianische Küste in 200 sm Entfernung auf Steuerbord weit hinterm dem Horizont liegt. Unsere Restdistanz beträgt 2393 sm bis Buenos Aires. Nach der Durchsage interviewe ich Kapitän Natke, wir sprechen über seine Beweggründe zur See zu gehen und über die Einschränkungen im Expeditionssektor im Vergleich zu vor 20 Jahren, z.B. durch die Auflagen der Behörden, Sicherheitsvorschriften und Vorschriften der Reederei. Außerdem über seine Vorlieben für die Polarregionen, die ich mit ihm teile. Als ich von der Brücke komme, hält mich Hotelmanager Johann auf und fragt, ob ich morgen für die Gäste kochen möchte. Gäste kochen für Gäste, ich bin dabei. Ich versäume Yoga und die passenden Accessoires bei Style, weil ich meine spärlichen Notizen des 20 - minütigen Interviews ins Reine schreiben muß. Am Nachmittag halten die Lektoren einen Vortrag über Grönlandfahrt - Walfang. Heute findet der Hapag Lloyd Clubcocktail statt. In der Explorer liest das Schauspielerehepaar aus Elke Heidenreichs "Alte Liebe" und singen zum Abschluß - ich hab' mich so an Dich gewohnt. Sehr, sehr bewegend, es  erinnert einen daran, daß man die schönen Momente mit einem Partner nicht festhalten kann. 

Die 5 "Sterneköche" und Küchencrew der MS Hanseatic
Seetag Nummer VI - wieder fallen Yoga und Style für mich aus, da wir um 10.00 h ein Meeting mit dem Hotelmanager haben, um unsere "Kochkleidung" zu ordern. Um 11.00 h ist dann Fotoshooting der 5 "Sterneköche" mit Michael unserem Küchenchef. Um 17.00 h schaue ich auf der Kapine beim Einkleiden kurz in den Vortrag über Seehunde, denn um 17.30 h treffen wir uns vor dem Restaurant mit dem Küchenchef. Michael teilt mich bei Franky in der heißen Küche ein. Als erstes Grille ich Gemüse, anschließend mache ich die Strudel für die Suppe. Guacamole wird angemacht, dann die Strudel in den Ofen. Weiter rühre ich die Panade für die Frittata, wälze meine Gemüse damit und brate das Ganze wieder. Es ist schon 18.30 und ich merke gar nicht, daß die Gäste schon mit ihrem Schampus hinter uns stehen und uns fotografieren. Um 19.30 gehen wir dann mit großem Applaus mit Kapitän, Michael und dem Hotelmanager zum Kapitänstisch und essen. Unsere Kochmützen nehmen wir ab und sehen richtig gut aus. 

Halloween am 7. Seetag - nach Yoga und Style gehe ich zur Pølserparty auf dem Pooldeck. Weitere Highlights des Tages sind um 18.30 h die Modenschau als Modells dabei unter anderem der Kapitän sowie der Hotelmanager und ein Konzert - "Ein Abend in der Oper" mit Pianist Uwe und der Sängerin Freya. 

Seetag VIII - um 10.00 h Yoga oben in der Sonne, herrlich! Und um 11.30 h lernen wir bei Riccarda das Essen. Zum Mittag passieren wir die Bark Europa auf ihrem Weg in die Antarktis, die herrlich bei 5-6 Windstärken in der Dünung dümpelt. (Logbucheintrag Bark Europa by Thilo Natke). Am Abend findet der Repeatercocktail statt. Als langjährige Hanseatic - Fans haben wir so einige Reisen auf dem Buckel. Heute gibt das Schauspielerehepaar noch eine Lesung mit Musik Thema - "Mit Gerhardt und mit Busch der Komik einen Tusch" mit Liedern von Hildegard Knef. 

Am 9. Seetag sehen wir einige Bohrinseln entlang der Küste. Mein heutiges Pflichtprogramm: Wieder um 10.00 h Yoga und um 11.30 - Style mit dem Thema Smalltalk. Wind kommt aus NO mit Stärke 6, es wird langsam wieder kühler. Kulinarische Vielfalt mit einem Mittagsbüfett mit Wok Gerichten und abends mit Menüs aus den von der Hanseatic besuchten Ländern. Der Hotelmanager sitzt in einem Kanu paddelnd im farbenfroh mit Gemüse und Obst dekorierten Gang vor dem Restaurant. Der Tag klingt mit einem wundervollen Cabaret Abend mit Freya und der Bordband aus.

Am Montag Seetag X nimmt der Seegang zu, deswegen finden die Übungen beim 10.00 h - Yoga am Boden auf dem Oberdeck statt. Wegen des Lichtes verlegen wir Style mit Schminken oben in die Obsi. Ich bin als erste dran, Fotografin Silke von der Wege hält alles mit ihrer Kamera fest. Um 12.00 h wird ein Film über den Amazonas in der Explorer Lounge gezeigt, da bekomme ich auch glatt wieder Lust. In der Observation Lounge liest Andrea Wolf um 18.00 h Novecento und Pianist Uwe begleitet sie. Beim abendlichen Barbecue auf dem Lemaire Deck brist es immer mehr auf, fängt an zu gewittern und zu gießen. 

Am 11. Seetag findet unser Yoga in der Explorer Lounge statt, denn an Oberdeck ist es so windig, das wir fast wegwehen. Der Style Beraterin rate ich zu einer Seekrankheitstablette während des Schminkens. Es klappt hervorragend. Heute ist Abschiedsabend, mit Cocktail und Abendessen. Während ich schreibe, es ist jetzt 16:42 Bordzeit, es wird schon wieder wilder, die Hanse rollt und stampft. Das wird spannend beim Abendessen und nachher beim Shantychor. 



Zwölfter Seetag - Mittag ist bayrisch und Kofferpacken angesagt, wir kommen schon am Abend in Buenos Aires an. Die Skyline der Stadt liegt in der Abendsonne, der letzte Abend an Bord auf dieser Reise bricht an.

Am nächsten Tag machen wir eine Stadtrundfahrt und besichtigen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Fotos sehen Sie hier wie immer öffentlich bei Facebook.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag
© Constanze Hoffmann   


PS: Als nächstes folgt hier der ausführliche Bericht meiner Südamerika - Umrundung mit der Europa 2, der auf dem Passagenblog der Hapag Lloyd Kreuzfahrten bereits publiziert wurde. 
 

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