Sonntag, 11. Dezember 2016

2016 Expedition Amazonas - auf dem Fluß des Lebens

- von Iquitos nach Belem 09.04. bis 27.04.2016
Quelle Foto-CD Page Chichester


Am Samstag, den 09.04.2016 starten wir unsere Reise mit KLM über Amsterdam mit einer Embraer 190 und einer Boeing777 nach Lima, es folgt eine Übernachtung im Marriott Hotel. 
El Paraíso (leider nur Foto aus dem Bus)



Auf dem Weg zum Flughafen erklärt uns ein Guide die Sehenswürdigkeiten Lima. Wir fahren an der archäologische Fundstätte El Paraíso vorbei, die erst 2013 entdeckt wurde. Sie stammt aus der Vor-Keramik-Zeit (3500–1800 v. Chr.) und liegt nur wenige Kilometer nördlich von Lima.



So, 10.04.2016        Sonderflug von Lima nach Iquitos / Peru 3°43'51"S 73°14'19"W

Auf unserem Sonderflug am Sonntag, den 10.04.2016 nach Iquitos / Peru bekommen wir den Platz am Notausgang, eine nette Passagierin namens Christa setzt sich zu uns. Der Flug vergeht sprichwörtlich im Fluge. 'Willkommen in den Tropen' werden wir begrüßt, an die feuchte Hitze müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Wir machen eine Orientierungsfahrt, bevor es zum Schiff geht. Wir wundern uns über die kilometerlangen Schlangen in den Straßen. Die Menschen stehen vor den Wahllokalen, denn ein neues Staatsoberhaupt wird gewählt und hier gibt es Wahlpflicht, erklärt man uns. Auch diesmal sehe ich trotz der fast nur fröhlich winkende, lächelnde Menschen. Wir lernen den Fotografen Thomas Peters kennen, der Fotos und Filme für Hapag Lloyd Kreuzfahrten aufnimmt.  


Hier sehen Sie den neuen Imagefilm über den Amazonas, ich freue mich, daß die kurze Szene mit den beiden Eingeborenenkindern und mir so herzlich geworden ist. 

Um 18.00 Uhr legen wir ab und 15 Minuten später müssen wir zur obligatorischen Seenotrettungsübung. Unser Abenteuer in der überwältigenden Natur des größten Regenwaldes der Welt beginnt. Nach dem Abendessen lassen wir den Abend mit unseren Freunden in der Explorer Lounge zur Musik der Band "Glourious Four" ausklingen. Von den Glorious Four, ist nur Flo von der alten Gang dabei, da Benny und Jacob als Zodiacdriver fahren. Oben in der Observation Lounge spielt wieder der Pianist Uwe Künstler. SA 5.52 h, SU 17.55 h. Der Tagesspruch lautet: Reisen scheint alle Gefühle zu intensivieren- Peter Hoeg. 

Tanzen bei den Huitoto

Mo, 11.04.2016 Iquitos /Peru Abfahrt ca. 6.00 h (4.00 h Lotse - Tageslichtpassage, 5.45 h Leinen los), Pevas / Peru Ankunft 13.00 h, ⚓️ 3°19'55"S 71°51'15"W

Unsere Abfahrt wurde von gestern 18.00 h auf heute 6.00 h verlegt, unser Ziel Pevas liegt in 92 sm Entfernung. Diesmal werden wir vom Nebelhorn geweckt. Um 9.00 h meldet sich der Kapitän mit der aktuellen Position, 14,5 kn, wegen der Strömung nur halbe Strecke über Grund, 46 sm seit Iquitos, 56 sm Restdistanz. Temperatur Luft 27° tropisch, Fluss 27°, 1007 hPa, 88%, 10.00 h obligatorische Zodiaceinweisung mit Dolf, anschließend steht Willkommen an Bord mit der Kreuzfahrtdirektorin Nadine auf dem Programm. Im Beautysalon verwöhnt uns diesmal Madeleine. Page Chichester ist wieder Fotograf. Als Expeditionsleader lernen wir Ignacio Gomez Rojas kennen, als weitere Experten sind begleiten uns an Bord Moacir Fortes Pereira (Website amazoniaexpeditions.com.br), Dr. Franz Gingele - Geologe, Lucia Maria Weber - Amazonas Expertin, Wolfgang Wenzel - Biologe, Dr. Monika Steinhof - Biologin, Dr. Erich Papst - Geografie Experte, Dietmar Neitzke (Profil bei Windrose) - Ethnologe. Als zusätzliche feste Zodiacdriverin wird Francoise vorgestellt, hier reicht es nicht, wenn nur die Crew die Ausfahrten macht. Um 11.15 h Wissen am Morgen: Der Kapitän informiert uns über die bevorstehende Umroutung. Weil der Fluss so wenig Wasser führt, müssen wir 4 Tageslichtpassagen bis Manaus fahren. Schon um 15.00 h müssen wir in Tapatinga los, dann folgt die erste Tageslichtpassage, Libertad ist somit gecancelt. Erst nach Tapatinga heißt es wieder 'Open Bridge'. Wir bekommen unsere Gummistiefel, um 13.30 h ankern wir und werden von der Amazon Queen abgeholt. In je zwei Gruppen geht es zuerst zu den Huitoto bzw. zu den Boras. Die Stammeshäuptlinge haben uns in ihr großes Dorfhaus (Maloca) eingeladen, wo wir mit traditionellen Tänzen begrüßt werden. Wir sind zuerst bei den Huitoto, der Fotograf macht ein Foto und den kleinen Filmabschnitt mit den zwei kleinen Kids und mir. Wir kommen am Dorfplatz an und ich denke an 2011 und siehe da, ich darf wieder tanzen. Wir kaufen ein Bild mit Piranhas und eine Kette mit rotgefärbten Schuppen des Arapaimas, außerdem tausche ich eine Bluse gegen einen Bastfächer.

Tanz bei den Boras 
Dann spazieren wir zu den Boras, auch dort darf ich wieder mittanzen. An der Anlegestelle werden gerade Wildschweine geschlachtet. Leider kommen wir heute nicht zu Francisco Grippa (Website des Malers), ich hätte mir gerne eines seiner Bilder gekauft - (Francisco Grippa auch bei blogspot.de).
  
17.30 h Kapitän: 171 sm, 6.00 h dort, 13,6 kn, Brasilianischen Lotsen. 18.30 h Wissen vor 7: Wir hatten Glück, es wurde Regen für unseren Besuch heute vorhergesagt. Unsere nächsten Ziele sind Leticia in 107 sm und Tapatinga. SA 5:47 h, SU 17:49 h. Reisen scheint alle Gefühle zu intensivieren - Peter Hoeg.

Foto mit Mo

Die 12.04.2016        Leticia / Kolumbien 4°13'36"S 069°56'48"W 6.00 h Ankunft, Tapatinga /Brasilien - Lotsenwechsel bei Abfahrt

6.00 h die Behörden werden erwartet, es dauert etwas länger, da hier drei Länder involviert sind - Brasilien, Kolumbien und Peru - Tres Fronteras - drei Grenzen. Erste Zodiacanlandung in Leticia, unsere Experten geben uns Tipps für den Landgang. Wir schlendern durch die Stadt, doch zum Mittag sind wir schon wieder an Bord. Gegen 14.00 h nehmen wir Kurs auf Panelas in 211 sm. Um 16.45 h hält Wolfgang den Vortrag "20 Fakten zu Amazonien". Heute lädt der Kapitän zum Willkommens-Cocktail. SA 5.39 h, SU 17.41 h. Reisen lehrt Tolerieren - Benjamin Disraeli. 

Mi 13.04.2016          Panelas / Brasilien 8-12.30 h 2°58'3"S 067°51'34"W, Rio Jutaí 19.30 h 2°48'25"S 6653'34"W

Um 10.15 h startet unsere Zodiacausfahrt, wir sehen diverse Vögel, Schmetterlinge, Leguane und zum Schluß noch Totenkopfäffchen. 107 sm legen wir bis zum Nachmittag bis zu unserem zweiten Ziel des Tages zurück am Rio Jutaí. Am Nachmittag um 15.00 h erzählt Franz vom 'Dschungeltrek am Rio Napo - zu Besuch bei den Huaorani Indianern'. Um 16.45 h folgt Monika mit 'Der tropische Regenwald Amazoniens'. Um 17.40 h kommt eine enthusiastische Durchsage vom Kapitän, er weist auf einen glutroten Abendhimmel hin. Auf Kanal 5 läuft passend zum Gebiet nonstop den Film 'Fitzcarraldo'. Wissen vor Acht: Wir erfahren, daß auf dieser Reise 92 neue Gäste mitfahren und 78 Repeater. Unser Expeditionleader hat neue Würfelchen für unsere neuen Destinationen erstellt, weiter geht es auf dem Schwarzwasserfluß. Wir lernen die unterschiedlichen Merkmale kennen, an denen wir die verschiedenen Reiher der Gegend unterscheiden können. SA 05.30 h, SU 17.20 h. Jede Reise ist wie ein eigenständiges Wesen, keine gleicht der anderen John Steinbeck. 

Gelbbürzelkassiken gerne in Gemeinschaft mit Wespen


Do 14.04.2016         Rio Jutaí Abfahrt 14.00 h, Uará 21.00 h 2°39'50"S 65°35'5"W

In der Nacht haben wir die Uhren um eine Stunde vorgestellt, um uns der brasilianischen Zeit anzupassen. Die Hanse ankert seit gestern Abend im Rio Jutaí, einem Schwarzwasserfluss, das Wasser ist durch die Huminsäuren braun gefärbt. Unser Ziel für heute Morgen ist das Überflutungsgebiet des Rio Jutaí. Für uns geht es schon um 06.45 h los, wir fahren mit den Zodiacs durch das schöne Igapó - Gebiet, ein immergrüner Überschwemmungswald, dessen Bäume niedriger sind als in anderen Amazonasgebieten. Dieser Wald ist längst nicht so dicht, so können wir sehr schön die Aufsitzerpflanzen, riesige Philodendren und rot blühende Bromelien sehen. Wir sehen einen Tukan fliegen, viele Gelbbürzelkassiken und Nacktaugentrupiale, die ihre hängenden Nester gerne in der Nähe von Wespennestern bauen. Wir kommen in ein Gebiet, in dem ein Waldbrand viele Bäume vernichtet hat. Wir sehen hier Orchideen, riesige Philodendren und andere Aufsitzerpflanzen (Epiphyten) auf den toten Stämmen und Papageien lärmen um uns herum. Leider nur in der Ferne können wir zwei gelbe Aras ausmachen. Auf der Rückfahrt schwimmen mehrere Amazonas-Flussdelfine um unsere Zodiacs herum und zeigen uns ihre rosafarbenen Rücken.

Botos - Foto von Page Chichester
Um 11.30 h Dietmar hält seinen Vortrag "Mit Blasrohr und Videokamera: 10.000 Jahre Leben und Überleben der Amazonas-Indianer". Die Einheimischen haben sich am Heck der Hanse zum schwimmenden Marktplatz zusammengefunden, aber wir müssen los, da die nächste Strecke wieder eine Tageslicht-Passage ist. 

Um 14:00 Uhr heißt es "Anker auf", denn wir müssen vor Sonnenuntergang an unserem nächsten Ziel sein - in Uará in 117 sm. Gegen 14:30 h erleben wir Rio Jutaí meets Rio Solimões - Schwarzwasser trifft Weißwasser.
Am späten Nachmittag erklärt uns Erich, wie auf den derartig kargen Amazonasböden ein so ein üppiger Wald entstehen kann. Beim Pre - und Recap um 18:30 Uhr stellt uns Ignatio unser Ziel für den morgigen Tag vor. Wir wollen nach Uará und einen Spaziergang durch den Nutzwald machen, pro Lektor eine Gruppe mit 24 Gästen. Lucia erzählt über die Paranüsse, die in diesem Wald geerntet werden. Heute Abend bedient uns die Servicecrew in typischen Landestrachten beim Brasilianischen Abendessen. SA 6.26 h, SU 18.23 h, Uhr nachts 1 Stunde vor. 

Fotocollage by Page Chichester (Bild mit Franz Gingele)


Freitag, 15. April 2015 Uará seit gestern ⚓️2°39'50"S 65°35'5"W Cuxiu Muní ⚓️16.30 h 3°17'10"S 64°37'52"W

Heute stehen gleich zwei Ziele auf dem Tagesprogramm, Uará und Cuxiu Muní. Schon seit gestern liegen wir vor Uará, unser Erkundungsboot informiert die Dörfer über unser Ankommen. Als wir morgens aus den Fenstern schauen, scheinen wir durch Milchglasscheiben zu schauen, es ist neblig. Obwohl es in den letzten Tagen trocken war, heißt die Schuhempfehlung für heute Gummistiefel. Die Anfahrt zu unserem ersten Ziel durch den Kanal in den kleinen See ist länger als gewohnt, am Ufer erwarten uns schon die Einheimischen, Capoclos (Erklärung bei amazonasreisen.de) genannt, die uns als Führer dienen sollen. Pro Gruppe bekommen wir zu unserem Lektor einen lokalen Guide dazu, unsere Gruppe begleitet Erich. Wir haben noch Zeit zum Umschauen, bis die Gruppe vollständig ist. Das beliebteste Fotomotiv des Tages sind die wenige Tage alten Hundewelpen. 

Vor dem Start zeigt uns unser Führer seinen Garten, hier wachsen einige Bananenstauden und auch eine Kakao-Pflanze. Die Frucht wächst direkt am Stamm und wird von unserem Führer mit einer Machete geöffnet, so daß wir das schmackhafte Fruchtfleisch von den Kernen lutschen können. Dann gehen wir los, in diesem Wald werden Paranüsse geerntet, diese Bäume sind wahre Riesen und wachsen nur im Regenwald. Sie bilden Kapselfrüchte aus, die im geschlossenen Zustand von den Bäumen fallen, was bei einem Gewicht von bis zu 2 kg und einer Fallhöhe von bis zu 40 m nicht ganz ungefährlich ist. Im Wald folgen wir den Trampelpfaden, die von den Einheimischen zum Sammeln der Paranüsse genutzt werden. Sie sind sehr matschig, zum Glück tragen wir unsere Gummistiefel. Wir sehen die Hausschweine der Capoclos, Limonen, rotblühende Helikonien und Fackelingwer (bei hoio.ch), kommen an Kautschukbäumen vorbei, aus denen aber heute kein Kautschuk mehr gezapft wird. 

Überall sehen wir Pilze, die das Totholz zersetzen. Wir stehen auf einem riesigen Ameisenbau, sehen große Spinnen in ihren Netzen und probieren Dschungelkaugummi. Ich rutsche aus und falle in den Matsch, na prima. Immer wieder beliebt die Fotos an den großen Brettwurzeln.



Als wir wieder an den Zodiacs sind, kann, wer will in dem Schwarzwasser-See baden. Zwei Zodiacs werden zu einer Badeplattform zusammengebunden und über eine Badeleiter geht es dann in das wohl temperierte Nass. Auch die Kinder des Dorfes, lassen es sich nicht nehmen, von der Plattform zu springen und sie dürfen auch mit den Zodiacs fahren. Heute müssen wir ebenfalls früh weiter, eine weitere Tageslicht-Passage liegt vor uns und heute Abend lockt eine Nachtausfahrt mit den Zodiacs in Cuxiu Muní, das in 107 sm Entfernung liegt.

Um 10.30 h hält Erich einen Vortrag über die Terra Preta, die fruchtbare Schwarzerde. Kurz vor dem Mittagessen treffen wir uns zu einem kleinen Precap zur Vorschau auf die Nachtausfahrt und den morgigen Tag. Um 15:45 h meldet sich der Kapitän von der Brücke und warnt vor dem heftigen Regengebiet, in das wir hineinfahren. Um 16.30 h hält Monika einen Vortrag über die Vogelwelt Amazoniens, sie erzählt von Jägern, Sammlern und Wegelagerern, den Spezialisten der Vogelwelt in unserem Fahrtgebiet. Um 17.00 h ankern wir in Cuxiu Muní, es gibt ein frühes Abendessen. Unser Expeditionsleiter Ignatio hat Schulmaterialien und Haushaltsgegenständen beim Dorfvorsteher als Gastgeschenk abgeliefert und im Gegenzug dürfen wir in der Nacht durch den kleinen Fluss am Dorf zu fahren. 

Das Motto der Ausfahrt - lauschen Sie dem Regenwald. Jedes Zodiac ist mit einem Fahrer und einem "Spotter" besetzt, uns begleitet Monika als Spotter. Die Aufgabe eines Spotters ist es, mit einem Suchscheinwerfer nach Tieren und Treibgut Ausschau zu halten. Viele Tiere sind nachtaktiv und tagsüber selten zu sehen. Eine Ausnahme sind die vielen kleinen Fledermäuse, die seit gestern überall auf dem Schiff zu finden sind. Sie wurden vermutlich von den vielen Insekten angelockt, die von unserer Schiffsbeleuchtung angelockt wurden.

Auf einem Baum sichten wir ein Faultier, ringsherum sieht man die Blinksignale der Leuchtkäfer auf der Suche nach einer Partnerin. Wir schalten die Motoren aus, um zu lauschen, unvergesslich das akustische Spektakel des nächtlichen Treibens, es zirpt, surrt, quakt und zwitschert um uns herum. Die Zikaden singen in den Bäumen und im Schilf lärmen die Frösche. 

Über Funk meldet sich Lucia, sie hat einen kleinen Brillenkaiman mit einem beherzten Griff aus dem Wasser gezogen. Die rote Reflektion ihrer Augen im Scheinwerferlicht verrät die kleinen Kaimane. Alle Zodiacs in der Nähe nutzen die Gelegenheit um das Reptil aus der Nähe zu betrachten. Vorsichtig wird das Tier von Boot zu Boot gereicht. Nachdem der Kleine ausgiebig bewundert und fotografiert wurde, darf er zurück ins Wasser. Wir sehen heute noch weitere Kaimane, die sich gerne im Schilf verstecken. Außerdem sehen wir noch Frösche, Grashüpfer und die unzähligen Moskitos. Der nächtliche Dschungel ist völlig anders als am Tage, ein unvergessliches Erlebnis! SA 6.20 h, SU 18.23 h.



Samstag, 16. April 2015 Lago Ajurá / Ilha do Botija 8.00 h ⚓️ 3°56'5"S 62°46'13"W Rio Badajós, Brasilien 13.50 h ⚓️ 3°44'56"S 62°16'36"W - Passieren Bremen

Um 7.30 h wollten wir schon ankern, aber der Anker hält nicht, um 8.00 h beim 2. Versuch klappt es dann. Wir sind diesmal in der letzten Gruppe, heute machen wir eine Zodiactour zum Lago Ajurá. Dieser See ist durch einen kleinen Kanal mit dem Rio Solimões verbunden. Anmerkung: Die Brasilianer nennen den Amazonas von der Landesgrenze bis nach Manaus Rio Solimões.

Diesmal fahren wir mit Nadine und Lucia, am Eingang des Kanals wohnt eine Familie, die uns freundlich zuwinkt. Weiter im Flusslauf wohnen viele Fischer, deren Stellnetze am Ufer befestigt sind. Auf dieser Tour sehen wir viele Delphine, Kolibris, Reiher und Geier.

Der Wasserstand ist ausreichend hoch, so daß wir mit den Zodiacs in den Wald zu einer riesigen Würgefeige fahren können. Von dem Baum, auf dem die Feige einst ihr Leben begann, ist nichts mehr zu sehen. Große Flächen sind hier mit Schwimmgras bedeckt und die Zodiacs haben alle Mühe, sich ihren Weg hindurch zu bahnen. Aber die Mühe lohnt sich, in einem Baum am Ufer entdecken wir Hoatzine, auch Stinkvögel genannt. Sie ernähren sich rein pflanzlich und verdauen – für Vögel einzigartig – ihre Nahrung im Vorderdarm, erinnert stark an Kühe und so riechen sie auch. Bei der Weiterfahrt bemerken wir Bewegungen in den Blättern, eine Horde von Affen hangelt sich durch die Bäume. Der Rückweg gestaltet sich ähnlich schwierig, das Schwimmgras versperrt den Ausgang und die Zodiacs fahren sich fest. Mehrere Male müssen die Schrauben von dem gehäckselten Rasenschnitt befreit werden.

Über Mittag fahren wir weiter stromabwärts zum Rio Badajós in 35 sm Entfernung, wo wir ein weitläufiges Überflutungsgebiet besuchen wollen. Um 13.50 h fällt der Anker, heute ist auch Angeln angesagt, unsere Freunde gehen mit Mo auf Angeltour. Ab 16.10 h geht es auch für uns weiter in die überfluteten Wiesen, diesmal mit Annette, unserer Nurse und Lucia.

Vitória Régia - die Riesenseerose
 
Wir sehen einen Schwarzbussard, einen Schwarm Riesenanis, im Schilf stehen viele Reiher und endlich kann ich meine erste Amazonas-Riesenseerose bewundern. Diese Seerose hat eine interessante Eigenart, wie uns später im Recap erklärt wird. Ihre Blüten sind am ersten Tag weiß und duften, um Käfer anzulocken. Diese Käfer befruchten die Blüte mit Pollen von anderen Amazonas-Seerosen. Die Blüte schließt sich und schließt die Käfer ein, die in der Nacht den Pollen fressen und sich damit einstäuben. Am nächsten Morgen öffnet sich die Blüte erneut. Sie hat ihre Farbe nach rosa gewechselt und gibt die Käfer frei, die zur nächsten weißen Blüte fliegen, um diese zu befruchten. Die befruchtete Blüte hat inzwischen die Farbe in ein dunkles violett geändert und sinkt in der Nacht unter den Wasserspiegel, wo sich die Frucht entwickelt. 

Wir sehen auch einige der kleinen Rotstirn-Blatthühnchen, Bennys Lieblingsvogel hier am Amazonas. Mo hebt eine Seerose an, so saß wir die beeindruckenden Blätter auch von unten sehen können. Nach der Ausfahrt nehmen wir Kurs auf Manaus in 180 sm. Vor dem Recap stehen wir draußen auf dem Explorer-Deck, wir beobachten und hören Delphine, ich nehme ein kleines Video auf, leider hört man sie mehr, als daß man sie sieht. Heute gibt es den Film 'Uramazonas' von Herbert Habersack in der Darwin Hall und auf Kanal 3 mit einem Vorwort von Franz. Ein besonderes Ereignis spät in der Nacht läßt mich lange in der Obsi ausharren, wir passieren unser kleines Schwesterschiff MS Bremen (Link zur Position und Webcam), die auf ihrer Amazonasreise stromaufwärts fährt. Ein Hupkonzert und Rufe der Crews hallen durch die Nacht. SA 06.10 h, SU 18.09 h. 

Sonntag, 17. April 2015 ca. 6.00 h Meeting of the waters - Encontro des Aguas, 7.00 h Manaus, Brasilien (Pier) 3°8'14"S 60°1'48"W

Wir verpassen das "Encontrodas Aguas", den Zusammenfluss von Rio Solimões und Rio Negro, ganz entspannt nach dem wenigen Schlaf geht es für uns erst um 9.00 h los. Wir machen eine Fahrt zum Janauary Park, wir fahren heute mit lokalen Booten. Auf dem Weg dorthin können Reiher und andere Vögel beobachten, fast am Ziel sehen wir große Restaurants mit großen Souvenirshops. Wir halten beim Restaurante do Dio / Janauary. Wir erfahren von unserem Guide Erwin, das sonst viel mehr los ist, vor Ort steigen wir  um in kleine kanuähnliche Boote mit zwei riesigen Außenbordern. Damit fahren wir erstmal zum Angeln. Unsere einfachen Angelruten sind viel zu lang und so richtige Begeisterung will nicht aufkommen, Erwin fängt als einziger einen Piranha. Erwin Sild ist Gründer und Vorsitzender der TOURISM AGENCY  amazonaslostworld.com (bei Facebook).

Einheimische gehen mit ihren Booten längsseits und zeigen uns ihre Haustiere - ein Faultier, Äffchen und andere Tiere, um Geld mit Fotos zu machen. Wir gehen längsseits bei einer Behausung, dort steht ein Pärchen mit einer ca. 6 m langen Anakonda, ich gehe auf den Steg um ein Foto machen zu lassen. Sie legen sie mir um die Schulter, aber stützen sie links und rechts, ich hätte sie nicht alleine halten können. 

Anschließend fahren wir zum Essen, es gibt ein sehr gutes landestypisches Büfett. Wir machen eine kleine Wanderung über Holzstege, die von frechen Äffchen und Riesenarmeisen bevölkert sind. Das Ziel sind wundervolle Riesen-Seerosen. Wir haben noch Zeit zum Souvenir einkaufen, ich erstehe eine Maske aus Balsaholz, einen 'Knackfrosch' und eine Kokostasche. Ein weiteres Highlight ist die Fahrt mit den Kanus durch die Schwarzwasserkanäle. Wir entdecken riesige Würgefeigen, Kapokbäume mit den gewaltigen Brettwurzeln, Lianen und Epiphyten. Nach einer kurzen Espresso Pause zurück am Restaurant fahren wir mit dem Ausflugsboot retour. Am Abend gehen einige Gäste in die Oper, es wird ihnen eine Jacke empfohlen. Fazit: Es war zu kalt, es muffelte und das Ballett war zu modern, wir waren in der Explorer Lounge und sehr zufrieden. SA 05:58 h, SU 18:00 h. Glück ist kein Zustand, sondern eine Art zu Reisen - Margaret Lee Runbeck.


Montag, 18. April 2015 Manaus Abfahrt 11.30 h,  Pagodao, Rio Negro, Brasilien ⚓️14.00 h 2°24'42"S 60°43'28"W, Tres Bocas / Rio Negro ⚓️ Ankunft etwa 20.00 h

In der Zeit zwischen 1870 und 1910 wurde Manaus durch den Kautschukboom bekannt, da die Region lange Zeit der einzige Lieferant von Kautschuk war. Heute locken Sehenswürdigkeiten wie das Teatro Amazonas und die Kirche São Sebastião im Vorhof des Theaters für Ausflüge in den sehr artenreichen, die Stadt umgebenden Urwald. Hauptattraktion ist aber der die Stadt umgebende Urwald, der als Region mit der größten Biodiversität (Artenvielfalt) der Welt gilt.

Nachdem wir die letzten Tage nur kleine Dörfer an uns vorbeizogen, ist die Millionenmetropole Manaus als siebtgrößte Stadt Brasiliens mitten im Regenwald durchaus faszinierend. Wir erkunden mit Ilse und Jürgen Manaus auf eigene Kappe. Unser Ziel ist natürlich die Oper, wir fragen nach dem Weg. Die Antwort lautet, wir sollten immer dem Bretterzaun der Baustelle folgen. Wir sind etwas zu früh am Ziel, die Oper öffnet erst ab 9.30 h. Schräg gegenüber ist ein netter Souvenirladen, den wir später aufsuchen wollen. Wir haben Glück, unsere Besichtigungsgruppe besteht nur aus 7 Personen, zu uns gesellen sich ein Pärchen, das demnächst heiraten will und eine weitere Person. 


In der Oper riecht es wirklich nicht sehr frisch, wir machen Fotos, dann werden wir herumgeführt, sehen die schönen Kostüme, alte Bestuhlung, Filmszenen verschiedener Aufführungen, Garderoben der Künstler und vieles mehr, es hat sich echt gelohnt. Ich kaufe mir noch eine schöne blaue Holzkette, die fast wir ein Collier bearbeitet ist und finde 2 Paar zauberhafte Flip Flops, eines davon in orangen Leder. Wir schlendern zurück zur Schiff, denn um 11.00 h ist Landgangsende und eine halbe Stunde später nehmen wir schon Kurs auf Pagadao in 33 sm. Es ist ein Sail-Away auf den Außendecks geplant und fängt pünktlich sintflutartig an zu regnen.

Um 12.00 h beim Recap erfahren wir alles über die Fische des Amazonas. Fische im Amazonas: Der Arapaima soll Piranhas fressen. Die Männchen hüten 3 Monate lang die Jungen im Maul, sie haben Lockmittel in Drüsen am Kopf, um sie an sich zu binden. Sie können eine Länge von bis zu 3 m erreichen und wiegen dann über 200 kg. Dann gibt es noch den Candirú, auch "Penisfisch" oder "Brasilianischer Vampierfisch" genannt, ist ein Wels aus dem Amazonas
(Hier ist ein Bericht auf focus.de). Und natürlich der Piranha, über den es so manche Horrorfilme gibt.

Passend zum Thema des Recaps werden wir zum Mittag frischem Fisch und frischen Früchten vom Markt von Manaus verwöhnt. Es geht den Rio Negro hinauf und wir passieren die etwa 3,5 km lange Ponte Rio Negro

Wir fahren durch einen Igapó, der sich von den bisherigen Igapós unterscheidet. Nördlich von unserer Ankerposition mündet der Rio Branco, ein Weißwasserfluss, in den Rio Negro und die mitgeführten Sedimente werden seit Millionen von Jahren in einem großflächigen Inselarchipel abgelagert. Dadurch ist es hier möglich, Fauna und Flora aus beiden Ökosystemen in enger Nachbarschaft zu beobachten. Die engen Kanäle erschweren die Beobachtung von Vögeln, wir Vernehmen Rufe der Tukane, ohne daß wir die Tiere zu Gesicht bekommen haben. Zwischen den Brettwurzeln eines großen Baums entdecken wir ein Gespinst mit einer großen Öffnung, es ist die Wohnung einer Vogelspinne.

Nachdem alle wieder an Bord sind, heißt es Anker auf zu unserem nächsten Ziel in 19 sm. Um 18.30 h laden Kapitän Gerke und unsere Kreuzfahrtberaterin alle Gäste des Hapag-Lloyd Kreuzfahrtenclubs zum Cocktail ein, es gibt Neuigkeiten des Clubs bevor uns das südamerikanische Abendessen serviert wird. SA 5:58 h, SU 18:03 h.  

Dienstag, 19. April 2015 Tres Bocas seit gestern - 14.30 h ⚓️ 2°41'41"S 60°43'25"W, Ariaú 15-16 h ⚓️ 3°3'51"S 60°27'58"W, Praia Grande 20.00 h ⚓️ Brasilien

Heute haben wir wieder eine frühe Ausbootung in Tres Bocas, den drei Flussmündungen. Unseren Ankerplatz haben wir schon gestern Abend erreicht, wir haben noch etwas Zeit, müssen nicht um 6.30 h los. Es ist kein Vergleich zu den engen Kanälen, die wir gestern besucht haben, die Kanäle sind weit. Der Galeriewald fällt hier längst nicht so üppig aus. Unsere Tiersichtungen halten sich auch in Grenzen. Einige Amazonen fliegen lärmend über uns hinweg. Wir hören mehr, als wir sehen. Eine wunderschöne Orchidee blüht in einem Baum. Eine Echse hängt am Stamm eines Baumes und wird beinahe übersehen, als wir näher kommen, springt es ins Wasser und läuft über das Wasser davon - daher  der Name Jesus-Christus-Echse.

Um 10:30 Uhr wird der Anker gehievt, es geht weiter nach Ariaú in 43 sm. Um 11.30 h erzählt uns Dietmar mit seinem Vortrag von "Federschmuck, Geistermasken und Männerhaus – Indianerkulturen in Amazonien". Zum Mittagessen gibt es im Bistro Pirarucú. Eines der Exemplare in Südamerika auch Arapaima oder Paiche genannt, schmückte auch unser Büfett, er hat eine Länge von 1,9 m und ein Gewicht von 66 kg. Unsere Hoteldirektorin hat Schuppen des Fisches für uns getrocknet, man kann sich sogar die Nägel damit feilen.

Eigentlich soll es ja um 14:00 h in Ariaú mit einer weiteren Zodiac-Tour weitergehen. Aber ein Wolkenbruch vom Feinsten ist der Grund für eine Verzögerung, allerdings halten die Lektoren und die Zodiac-Driver schon die Stellung in den Booten. Es regnet so stark, daß man das Ufer nicht sehen kann, der folgende Abbruch gibt den Bedauernswerten die Chance ihre durchweichte Kleidung zu wechseln. Als das Schlimmste vorüber ist, können wir unsere Tour starten. Der Wind hat noch nicht abgeflaut, so daß die eine oder andere Welle ins Boot schwappt! Unsere Ausbeute des Tages - Mücken ohne Ende und das im Schwarzwasser. Aber dann raschelt es im Baum, wir erspähen eine kleine Gruppe Totenkopfäffchen. Am Abend verholen wir nach Praia Grande in 5 sm, unserem Ziel für morgen. Im Precap um 18.30 h erzählt uns Franz von den Sedimenten der Sahara im Amazonasgebiet. 

Mittwoch, 20. April 2015 Praia Grande ⚓️ Brasilien Abfahrt 13.00 h Kurs Canassari

Ab 9.00 h beginnt die Ausbootung zum Strand, Praia Grande bedeutet großer Strand. Auf Baden im Schwarzwasser haben wir keine Lust. Wir schlendern am Strand entlang, treffen dort unsere Bekannten und fotografieren bunte Blüten. Kaum kommen wir näher an die Bäume, umschwirren uns die Moskitos. Am Strand ist auch ein Friedhof, auf dem aber einiges zerstört ist. Wir überlassen den anderen den Strand und fahren wieder hinüber. Um 12:30 h geht die Reise wieder in Kurs Canassari in 167 sm. Um 15.00 h geht der Vortrag von Wolfgang um "Das große Krabbeln - Teil 1 (Spinnen)". Nochmals haben wir die Gelegenheit das "Meeting of the Waters" anzuschauen und weil wir ausreichend Zeit haben, dreht Kapitän Gerke unser Schiff und wir fahren gleich wieder ein Stück bergauf, um es noch einmal zu sehen. Vor dem Abendessen lädt der Kapitän alle Gäste, die bereits mehr als einmal auf der Hanseatic gefahren sind zum Repeater-Cocktail. Unsere Hotelmanagerin fragt, ob ich nervös bin. Als unser Name aufgerufen wird, bin ich es dann doch. Kapitän Gerke überreicht uns den Silberteller für 25 Reisen auf "unserer Hanse". Er hat eine Statistik erstellt: 341 Tage, 286 Häfen, 75.377 sm = 139.598 km = 3,49 x um die Welt mit der alten Lady, die uns so ans Herz gewachsen ist. Im Restaurant wird das Chefs Dinner serviert und als schönen Abschluss spielt Uwe Künstler in der Explorer Lounge Werke von Frederic Chopin. SA 6.00 h, SU 18.02 h. Tagesspruch: Wo sprudeln Dir frischer die Quellen des Lebens als auf Reisen, wenn im Bilderstrom der Welt Du selig dahintreibst - Carl Peter Fröhling.




Donnerstag, 21. April 2015 Canassari ⚓️ 2°59'1"S 58°9'47"W 6.00 h, Furo Comprido ⚓️ 2°27'22"S 57°33'34"W ab 14.00 h, Furo dos Botschaft ⚓️ 21.15 h, Brasilien

Wir sind heute in der 2. Gruppe ab 8.00 h dran, wir fahren durch ein weitläufiges Überschwemmungsgebiet. Ignacio verheddert sich mit seiner Schraube in einem Fischernetz in Ufernähe. Wir wollen ihm helfen und hängen dann gemeinsam fest. Ignacio foppt Françoise, deren Bein im Wasser hängt, als er 'Piranha' ruft. Wir lachen, die arme Françoise bekam einen Riesenschreck.

In den eingezäunten Gärten der Einheimischen grasen Zebu-Rinder, die oft mit Kuhreiher zusammen zu sehen sind. Das Highlight des Tages sind aber die Gruppe von fünf Hoatzinen, die direkt auf einem Baum am Kanal balzen und sich von uns kaum stören lassen. In einem Ort haben drei Mädchen eine junge Amazone, mit der man sich gegen ein kleines Geld ablichten kann. Ich nehme sie und sie verhakt sich in meiner Jacke, daß ich sie fast gar nicht wieder loswerde. Die Mädchen lachen herzlich. 


Weiter den Kanal hinauf sehen wir in einer kleinen Bucht mit schwacher Strömung wieder die Blätter der Riesenseerosen. 2011 habe ich nicht eine gesehen, umso mehr freue ich mich jedes Mal darüber. Um uns herum tummeln sich auch die rosa Flussdelfine, auch Botas genannt. Wir hören den Blas, sehen sie auftauchen, aber wenn man den Fotoapparat betätigt, hat man meistens nur Wasser oder einen 'Platsch' auf der Kamera.

Im dichten Schilf und im Korn sehen wir viele gelbe Vögel, die sich von den Samen ernähren, es sind Gelbkopfsterlinge. Außerdem erblicken wir Gabelschwanzkönigstyrannen auf ihrer Jagd nach Insekten. Wir hören Riesentukane rufen und sehen sie über den Fluss fliegen. Dann fahren wir weiter zum Furo Comprido in 53 sm, das ist ein Kanal, an dem Capoclos wohnen.

Zurück an Bord gibt es Bayrischen Frühschoppen. Ich habe mir zum ersten Mal einen Bauernkranz machen lassen, bin überrascht, er steht mir. Das Freibier und der anschließende Obstbrand fließen in Strömen. Allerdings nicht nur der, am Nachmittag nähert sich eine große Regenwand mit Donnergrollen, kaum daß die Zodiacs im Wasser sind. Nach dem Guss können wir starten diesmal mit Benny und Erich. Am Sidegate wird gerade Fisch angeliefert, wir bringen die Plane, in die er eingewickelt war dem Besitzer zurück. Die Kinder winken uns fröhlich zu, wir sehen sehr viele Vögel auf unserer Tour. Als alle Zodiacs wieder an Bord sind, heißt es wieder Anker auf nach Furo dos Botos in 47 sm unserem Ziel für den morgigen Tag. Ab 18.00 h zeigt unser Bordfotograf Page die Bilder der Foto-CD von dieser Reise, bevor uns Ignatio im Precap unser nächstes Ziel vorstellt. Außerdem werden die zahlreichen Vögel aufgelistet: vor 5 Tagen gab es einen Lachfalken, Hoazine, diese dicken Stinkvögel, die nur von Ast zu Ast hüpfen, weil sie so viel Nahrung mit sich herumschleppen. Gelbkopfsterlinge, Gabelschwanzkönigstyrann mit Benny, Weißbauchgrasschlüpfer und die KBU's - klein, braun und unbestimmbar. SA 5.50 h, SU 17.47 h, heute eines meiner Lieblings- Reise-Zitate: Eine Reise ist wie ein Trunk aus der Quelle des Lebens von Friedrich Hebbel.

Freitag, 22. April 2015 Furo dos Botos seit gestern 21.15 -10.20 h ⚓️ 2°34'25"S 56°53'48"W Parintins ⚓️ 2°36'22"S 56°43'60"W - Brasilien

Seit gestern Abend ankert die Hanse vor Furo dos Botos, an der Mündung befindet sich eine Siedlung. Der Kapitän gibt durch, daß der Anker wegen der starken Strömung nicht gehalten hat, so daß er in der Mitte, es nochmal versucht hat. Es folgt noch ein zweiter Versuch, bevor es dann mit der Zodiactour losgeht. Wir fahren heute mit Ignacio in den sehr engen Kanal hinein, Ignacio super Spotter. Wir sehen diverse Leguane, Vögel, Schmetterlinge, Schwarzkehlarassaris, einen Riesentukan, zwei Aras im Fluge und endlich ein Faultier. Auf der Rücktour ist es richtig gut zusehen, das Highlight ist ein pinkelnder Leguan auf einem hohen Ast. Unglaublich wieviel Flüssigkeit aus so einem kleinen Kerlchen herauskommt. Wir hören wir das Rufen von Brüllaffen. Der Um 10.20 h nehmen wir Kurs auf Parintins in 11 sm, das wir gegen Mittag erreichen. Im Precap werden wir auf Parintins und die Boi Bumba Show vorbereitet, sowie auf den nächsten Tag in Alter-do-Chao. Wir schon 2011 werden wir mit den lokalen Booten abgeholt. 

Wir haben genug Zeit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden und nutzen diese in zum Einkauf von blauen Fanartikeln und anderen Souvenirs. Ich finde tolle blaue Flip-Flops, denn blau ist die Farbe, die wir heute tragen sollen. Außerdem besorgen wir uns Shirts und andere blaue Accessoires. Um 17.30 h werden wir von den lokalen Booten abgeholt und per Bus zu Arena gefahren. Sie ist kleiner und enger als die der Roten. Dietmar gibt eine kurze Einführung und dann geht die Show los. Wir sehen den dramatischen Tanzzyklus Bumba-meu-boi - "Steh auf, mein Ochse!" 





Es geht um die Geschichte von Sinhazinha, ihrer Liebe zu einem Zuchtbullen, den Tod und Wiederauferstehung durch indianischen Schamanenzauber. Jedes Jahr entwickeln die Parteien eine neue Choreographie, neue Bühnenbilder und neue Kostüme, um dieselbe Geschichte neu zu erzählen, um dann im Bumbódromo, in Anlehnung an das Sambódromo in Rio, eigens dafür gebauten Stadion gegeneinander anzutreten.

Die Tänzerinnen bewegen sich leichtfüßig und elegant, so daß man nicht glauben kann, daß die Kostüme an die 30 kg wiegen. Ich sitze am Boden und mache Fotos, zum Schluß wird wieder mitgetanzt. Um 21.00 h verlassen wir Parintis mit Kurs auf Alter-do-Chao in 183 sm. Ab 20.00 h gibt es Dinner und der Abend wird in der Explorer Lounge in großer Runde abgeschlossen. SA 5.44 h, SU 17.46 h, Tagesspruch: Was liegt beim Reisen näher als die Ferne? Werner Mitsch. 

 

Samstag, 23. April 2015 Alter do Chão ⚓️ 2°30'14"S 54°52'59"W, Brasilien

Wir haben Amazonien verlassen und sind nun im Bundesstaat Para, d.h. uns wurde eine Stunde gestohlen. Gegen 7.30 h passieren wir Santarém, an der Mündung des Klarwasserflusses Rio Tapagos. Es ist die drittgrößte Amazonasstadt mit 270.000 Einwohnern, hier wird hauptsächlich mit Fischfang, Keramik und Hängematten Geld verdient. Wir sind in der zweiten Gruppe, gegen 10.30 h beginnt der Shuttle-Service nach Alter do Chão. Dieser kleine Fischerort gilt als Karibik des Amazonas, hier tummeln sich die Reichen und Schönen aus Santarém

Impressionen aus Alter-do-Chão



Wir laufen durch den weißen Sand zum Ort, da Samstag ist, sind die Souvenirstände aufgebaut. Zwei Stunden bleiben uns zum Umschauen und Relaxen. In einer Boutique finde ich ein bräunliches Hippiekleid, ein ähnliches in orange kaufte ich mir letztes Jahr, ich bin happy. Unsere Freunde treffen wir in einer Strandbar wieder, der Wiener Wirt serviert uns Tijuca Bier. Es geht zurück zum Schiff, da ab 13.00 h Barbecue am Strand geplant ist. Auf einer Landzunge aus weißem Sand ist eine schön dekorierte Strandbodega entstanden, unsere Hot-man Doris hat sich viel Mühe damit gegeben. Die "Glorious Four" sorgen für die musikalische Untermalung. Einige Gäste baden, das Essen ist lecker - stimmig, ein perfekter Strandaufenthalt! Wer will kann eine kleine Wanderung auf den 100 m hohen Berg machen, was uns bei der Hitze in der Nachmittagssonne nicht wirklich reizt. 

Am Abend stellt Ignatio die Ziele für die nächsten zwei Tage vor. Lucia erzählt
uns Wissenswertes über die Fische des Amazonas und seiner Nebenflüsse. Im Schwarzwasser gibt es etwa 400 Arten weil das Wasser so säurehaltig ist, dagegen im Weißwasser um 2000 Arten. Außerdem bringt sie uns den Werdegang des Pirarucu da. Nach dem Precap zeigt uns Nadine den neuen Crewkoffer - diesmal ein Softtrolli und eine Taschenlampe für die Verlosung. Außerdem erfahren wir, daß der Shantychor morgen schon beim Cocktail am frühen Abend singen wird. Um 19.07 h schaue ich aus dem Fenster und sehe in der Abendsonne, wie der Pool abgelassen wird, das sieht richtig spektakulär aus. 

 
Der Abend endet recht früh, da es morgen wieder früh 'raus geht und wir die Uhr wieder vorstellen müssen. SA 6.36 h, SU 18.46 h.

Sonntag, 24. April 2015 Virassaiá 6-11 h ⚓️ 1°53'2"S 53°29'29"W,  Rio Guajará 13-18 h  ⚓️ 1°46'1"S 52°59'24"W, Brasilien
Die kleine Siedlung Virassaiá besuchen wir am heutigen Sonntag, die Tour startet mit einem wunderschönen Sonnenaufgang, es ist noch der Vollmond zu sehen. Unser Fotograf Page ist mit in unserem Zodiac, mit dem wir durch das verschlafene Dorf knattern. Hier und da schauen die Einheimischen verwundert aus den Fenstern, winken und aber freundlich zu. Einige scheinen noch vom letzten Abend übrig geblieben zu sein. Die Häuser der Einheimischen sind hier größer und gepflegter, sie haben oft kleine Kübelgärten und hinter dem Haus etwas abseits ein stilles Örtchen. 

In diesem Ort haben sich einige Bootsbauer niedergelassen. Zu dieser frühen Zeit sind viele Vögel unterwegs, denn der frühe Vogel fängt ja den Wurm. Wir beobachten Schwärme von Blauflügel-Sperlingspapageien, Gelbbürzelkaziken in ihren hängenden Nestern und einige Reiher. Bei der Weiterfahrt ins Überschwemmungsgebiet hinter dem Dorf sehen wir wieder viele Stelzvögel. Als wir wieder durch das Dorf fahren, sehen wir ein 'Kirchboot', da seine Schäfchen zur Messe abholt.
Nachdem wieder alle Boote an Bord sind, verholt die Hanseatic zu unserem nächsten Ziel in 32 sm, es geht nach Guajará. Um 11.30 h hält Wolfgang den nächsten Vortrag über das große Krabbeln, diesmal sind die Ameisen dran, die heimlichen Herrscher des Dschungels. 

Nach dem Mittagessen geht auf die letzte Zodiactour dieser Reise, wir besuchen ein kleines Dorf, das sich Wasserbüffel hält. Schon auf der Hinfahrt können wir viele rosa Delfine und auch die kleineren Verwandten, die grauen Flussdelfine sichten. Wir kommen den Wasserbüffeln auf den überschwemmten Wiesen recht nah und können sie grasen sehen. Sie kommen nur zum Melken ins Dorf. Wir fahren über die Felder und sehen einen großen Baum, den wir 'Leguanbaum' genannt haben, es wimmelt auf ihm von Leguanen. An einem Haus auf dem Zaun sitzen unzählige Großschnabel-Seeschwalben, die als wir näher kommen im riesigen Schwarm aufschrecken. Zurück an Bord lädt der Kapitän zum Abschieds-Cocktail und läßt die Reise Revue passieren, erzählt unter anderem von den über 4000 km Distanz, von den 104 Höhenmetern und 22 Destinationen.

Die Seekarte, diesmal vom Service gestaltet, wird für 2100.00 € versteigert, das Crewequipment wird verlost und der MS HANSEATIC Shantychor singt diesmal bevor wir zum Farewell-Dinner gehen. SA 6.30 h, SU 18.31 h, ein schöner Spruch heute im Tagesprogramm von Johann Sebastian von Goethe - Du kannst Dich also in der Welt umsehen; denn die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.
 
Montag, 25. April 2015 Fahrt durch die Breves Kanäle ca, 5.30 - 15.00 h, Brasilien
Gegen 5.30 h fahren wir in die Breveskanäle, auf verschlungenen Wasserwegen geht es durch das dichte Grün des Dschungels. 

Als Breves-Kanäle wird das Gebiet des Amazonas zwischen Macapá und Belém bezeichnet. Die zum Teil schiffbaren Gezeitenkanäle nennt man Furos, sie trennen  die Ilha de Marajó, die das Nordufer des Rio Pará bildet, vom Festland ab. Rio Pará ist die Bezeichnung einer schmalen, tief ins Land greifenden Meeresbucht zwischen der Amazonasmündung und dem weiter südöstlich gelegenen Mündungsgebiet des Rio Tocantins. Die in der Amazonasmündung liegende Ilha de Marajó ist mit 49.602 km2 etwa so groß wie die Schweiz

Um 9.00 h meldet sich der Kapitän von der Brücke, er gibt die aktuelle Position von 1°19'S und 50°49'W an und die Restdistanz von 210 sm bis Belem, um 9.40 h erreichen wir die engste Stelle der Breveskanäle, der Lotse ist an Bord, keinen Pierplatz, wir müssen auf Reede, Temperatur 28°, Wasser 27°, Wind aus NO mit Stärke 2.
Die ganze Strecke ist gesäumten von kleinen Häusern, vor denen die Leute freundlich winken. Wir machen Fotos von den Stelzenhäusern, vor denen die bunte Wäsche auf den Wäscheleinen in der Sonne leuchtet. Wir werden gebeten, nichts ins Wasser für die Einheimischen zu werfen, um sich nicht zu Bettlern zu erziehen. Die Einheimischen paddeln mit ihren Kanus in unsere Richtung und außerdem düsen hauptsächlich Jugendliche in ihren Booten mit infernalisch lauten Motoren um uns herum. Die Brückenoffiziere müssen deswegen ab und zu mit dem Schiffshorn Warntöne abgeben. Die Kanäle sind hier so eng, daß man den Eindruck hat, daß man die Uferböschung aus Buriti-und Assai-Palmen fast greifen kann, was für die Lotsen und die Offiziere das Navigieren nicht einfach macht. Gegen etwa 9:40 h passieren wir zwei enge Kehren, in denen der Flusslauf nur ca. 100 m breit ist.


Im Gegensatz zu 2011 scheinen sich Sägewerke, die das einheimische Holz zu Baumaterial verarbeiten, verdreifacht zu haben. Dann passieren wir die Stadt Breves mit dem Umland, hier leben etwa 100.000 Menschen. Gegen 15.00 h verlassen wir die Breveskanäle mit Kurs auf Belem in 126 sm. Und passend zu meinem negativen Eindruck hält Franz den Vortrag "Schatzkammer Amazonas - Rohstoffe statt Regenwald". Ich kann meine Bekannte Jutta verstehen, die schon vor längerer Zeit hier war und sich weigert sich die Gegend wieder anzuschauen. 

Heute ist unser letztes Recap: Lucia spricht über Maniok oder das daraus hergestellte Tapioka, über die Gewinnung und Verarbeitung. Und über die Unterschiede von Trocken- und Regenzeit. Zur Trockenzeit regnet es jeden Tag, zur Regenzeit regnet es den ganzen Tag. Dietmar erzählt uns von den Kayapo Indianern und Monika bringt uns die Mythen der Flussdelfine näher. 

Foto Page Chichester





Der rosa Flussdelfin soll sich in Vollmondnächten in einen schönen Mann in einem weißen Anzug mit Hut verwandeln und hübsche junge Frauen verführen. Am nächsten Morgen verschwindet er wieder im Fluss als Delfin. Das Mädchen wird schwanger und schließlich kommt das Kind zur Welt und so soll es tatsächlich Geburtsurkunden geben, in denen der Vater als "Boto" eingetragen wird. Aber auch Männer müssen sich in Acht nehmen vor Delfinen, die sich in schöne Frauen verwandeln, sie ziehen Opfer ins Wasser und ertränken sie.


Erich sinniert über das große Unbekannte hier, die Freundlichkeit dieser Menschen, sowie ihre Spiritualität und Verbundenheit zur Natur. Ihre Schamanen rauchen Pilze, um sich mit Mutter Natur zu verbinden. 

Wir nehmen nach dem Abendessen noch einen 'Abschiedsdrink mit unseren Bekannten Jürgen und Ilse, die uns in Belem verlassen werden.
 
Di, 26.04.2016         Belem, 2.00 - 18.00 h 1°26'38"S 48°31'37"W
Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von einigen Abreisenden, um in Belem auf eigene Kappe über den Markt zu bummeln, aber das ist schon eine andere Geschichte. 

Ich denke an diese Reise mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Durch die Tageslichtpassagen verlief diese Reise anders als 2011, wir haben im Vergleich wesentlich mehr Tiere gesehen. Das Ausmaß der Rodung des Waldes hat mich erschreckt. Was passiert, wenn der Regenwald abgeholzt wird? abenteuer-regenwald.de
Dennoch diese Region mit all den Naturwundern überrascht und begeistert mich immer wieder, ich werde bestimmt noch einmal in die grüne Hölle fahren. 


Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag

Constanze Hoffmann 
   

Keine Kommentare:

Kommentar posten